logotype

Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv
 


Di. , 11. Oktober '05 - Gewaltmarsch bis hinter Hof

Ein Care-Paket genau im richtigen Moment

Eigentlich fing der Tag in Münchberg beschissen an: Dad hatte eine Erkältung samt Gliederschmerzen im Gesicht (und nicht nur dort...), und ich hätte ihn am liebsten ins Bett zurückgeschubst. Aber wie ein Roboter stand er da und schnarrte mit kaputter Stimme: „Wir machen jetzt gemeinsam das, was wir schon seit über drei Wochen machen.“ Die Wohnmobiltür flog auf – und uns begrüßte ein weiterer goldener Oktobermorgen auf der Straße. Ich frage mich, ob wir denn wirklich so brav waren, dass wir so ein Wetter verdienen? (Ich glaube schon, denn unsere Teller sind jeden Tag leer, das Bierglas auch und abends liegen wir ab 22.00 Uhr im Bett. Und außerdem habt Ihr da draußen uns das gewünscht!)
Die Strecke durch Hof ist Gott sei Dank nicht so stressig wie die in den letzten Tagen, aber wir kommen bedingt durch Dads Erkältung nicht so schnell voran wie wir wollen, um die fehlende Etappe wieder reinzuholen. Im Hymer will er nicht liegen, ich will ihn nicht unbedingt tragen (obwohl er schon gut abgenommen hat), und Julchens Beine sind zu kurz zum Reiten. Dad sagt, er macht das für sich, um mit den Haien später im Becken schwimmen zu können. Den Rest seiner Worte erspar ich Euch, aber ich bin sehr stolz auf ihn und habe wieder etwas gelernt.
Lasst mich lieber vom Abend berichten, denn der war wieder mit einer Überraschung geschmückt. Unser Stellplatz für das WoMo war in Raitschin, nähe Hof. Ein wunderschöner Landgasthof mit
hervorragender Küche (fast so gut wie die von Mum) und edlem Gerstensaft aus der Region ließen uns den "Feierabend" genießen, aber es kam noch besser. Ein Auto mit OA-Nummer fuhr auf den Parkplatz, und die Eltern unseres guten Freundes Achim Däumler vom Harley Stammtisch stiegen aus - mit einem Etwas in der Hand, das sie uns mit der Aufschrift "CARE PACKET" überreichten.
Die beiden machen gerade bei Plauen Urlaub und hatten den Auftrag, uns zu überraschen. Hey Freunde! Das ist Euch gelungen, bei soviel care gibt es much move; ein original Allgäuer Bergkäse und jede Menge Schokolade werden unserem Endspurt den nötigen Kick geben (obwohl ich schon gehofft habe, es wäre eine 70er Wild Glide zum Ausklappen darin).
Wir verbrachten einen netten Abend, Dad ging es von Minute zu Minute besser, und wir hätten uns fast ein blaues Auge geholt, als wir meinten, dass er Bettruhe verordnet bekommt und morgen nicht laufen soll.
Morgen stehen zwei Pressetermine an, die (natürlich gerne) Zeit kosten, und deshalb müssen wir den Abend nun leider abbrechen – ab ins Bettchen. Gute Nacht John Boy...


Mi. , 12. Oktober '05 - Zu Fuß durch deutsch-deutsche Geschichte

Bei der Wiedervereinigung war ich zwei...

„Es gibt nur zwei Dinge für mich: Man tut es-oder man tut es nicht und ich tue es", mit diesen Worten zog sich Dad heute früh wortlos an. Ich vermied es nachzufragen - ich kenne ihn, diskutieren ist da zwecklos.
Im Hofer Funkhaus empfing uns ein äußerst freundliches Team von Radio Euroherz/Galaxy mit erstklassigem Kaffee; wir fühlten uns gleich sehr wohl dort. Man bereitete ein Live-Interview mit mir vor (Dad war ja andauernd am Niesen) und wollte noch etwas ganz besonderes: Mich live und unplugged in der Sendung singen lassen! Das kribbelte schon, auch wenn ich weiß, dass meine Stimme nicht nur mit viel Konserventechnik im Tonstudio funktioniert.
Christina, Moderatorin mit einzigartiger Stimme (genau wie ihr Aussehen) ließ mich zwar fast den Text vergessen, aber ich denke, für die Zuhörer war es vielleicht besser zu verstehen, warum ich meinen Walk To Berlin mache.
Nachher schauten wir noch schnell bei TV-Oberfranken vorbei (die ebenfalls im Funkhaus sitzen), um dort die DVD des Fernsehberichtes von letzter Woche abzuholen. Auch dort nur angenehme Leute und ich hoffe, das ich dort mal wieder zu Gast sein darf - vielen Dank Leute, ich werde nicht vergessen, was ihr für mich getan habt.
Nach dem Interview und dem Besuch ging’s zum nächsten Termin, Fotoshooting für die Frankenpost stand an, und Dad blickte schon ungeduldig auf die Uhr, denn wir mussten ja wieder auf die Strasse Richtung Plauen, unserem nächsten Etappenziel.
Als wir die ehemalige Grenze zur DDR überschritten, erzählte mir Dad in Kurzform die Geschichte der geteilten Nation, soweit er diese aus den Medien und dem Geschichtsunterricht kannte. Ich war ja 1989 bei der Wiedervereinigung erst zwei Jahre alt! Klar hatten wir diese ehemalige Grenze mit dem Auto schon oft gekreuzt, aber zu Fuß durch die alten Grenzanlagen, das ist etwas anderes. Mich hat sein Vortrag (keineswegs Lehrmeisterhaft) für den Rest des Tages so beschäftigt, dass ich mich näher damit befassen möchte, sobald ich wieder Zuhause bin. Die Gegend im Vogtland ist traumhaft und ihre Leute sehr freundlich und hilfsbereit - eine Gegend, wo ich jederzeit wieder gerne herkomme. Meine Erlebnisse bis jetzt lassen mich „mein“ Land mit ganz anderen Augen sehen, und da ich nun den Führerschein habe, werde ich mit Sicherheit auf meinen Touren öfter mal die Autobahn verlassen, Deutschland ist schön!
2017  trj-fanclub.de  globbers joomla templates