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Fr. - bis So. , 14. - 16. Oktober '05 - laufen, spielen, laufen...

Ein Gig und Kräfte sammeln für die 5. Woche

Leider hatten wir in den letzten Tagen schlechten Funkkontakt für das Lap-Top, und auch das Senden von Fotos war schlicht unmöglich. Jetzt, kurz vor Gera, wird es wieder besser und hier nun im Paket unser Wochenende: Freitag - links eine Felswand, rechts eine Leitplanke, dazwischen Wochenendverkehr und wir wie Freiwild zum Abschuss am Straßenrand. So macht’s wirklich keinen Spaß, aber was tut man nicht alles für seinen Musikerjob oder gar einen Plattenvertrag. Wir konnten uns weder unterhalten, noch die gigantische Oktoberkulisse, die uns wieder mal beschert wurde genießen, sehr schade.
Über den Freitag gibt es also wenig Interessantes zu berichten, aber ansonsten geht’s uns fast wie Walter von der Vogelweide: Woche Laufen, Wochenende spielen. Momentan sind wir vor den Toren von Gera und haben den Lauf wieder mal unterbrochen, um einen Gig zu spielen. Freunde aus Erfurt, der Country Dance Club Renegades, organisierten am Samstag eine Party, und so machten wir uns schon am Freitag abend von Weida aus auf den Weg nach Erfurt. Peter, Siggi, Daggi, Rene und der Rest der Truppe empfingen uns ganz lieb und luden uns in ein cooles Country-Restaurant zum Essen ein. Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man so weit weg von Zuhause so viele Freunde hat, und manchmal ist es mir fast peinlich, wie man mich und meine Familie versorgt – vielen Dank dafür, Ihr Lieben!
Der Samstag begann frühmorgens 11.00 Uhr – die Nacht war wieder mal länger – mit einem ausgiebigen Frühstück bei Peter und Siggi, danach lud uns Peter in die Halle der Oldtimer Freunden Erfurt ein. Kevin und ich sind ja totale Autofreaks, früher Go-Kart Rennen in der Bayerischen Meisterschaft gefahren und haben zu Autos aus früheren Epochen ein enges Verhältnis. Wir bekamen eine tolle Führung und Geschichten zu dem einen oder anderen Gefährt und konnten uns gar nicht mehr trennen von all diesen liebevoll restaurierten Autos, aber die Zeit zur Abfahrt zu unserem Auftrittsort Alperstedt rückte näher. Gaby, Peter, Martin und Andy von unser Veranstaltungsagentur IC-Music waren aus Berlin angereist, um den Abend zu managen – es war wieder einfach spitze, wie sie alles mit einer Ruhe auf die Reihe bekamen.
„Der Kuhstall“, ein vom Heimatverein Alperstedt super umgebauter ehemaliger Kuhstall der Landwirtschaftlichen Genossenschaft war unsere Location. Unsere Freunde Carsten und Michaela, sowie Thorsten von Sound & Lights, unser Sponsor für Licht- und Tontechnik hatte bereits die Anlage aufgebaut und so hatten wir noch etwas Zeit, den perfekt umgebauten Saal zu inspizieren – Kompliment Leute, habt ihr gut hingekriegt!
Etliche Clubs aus der Umgebung waren für unseren Gig angereist, und innerhalb kürzester Zeit brannte die Luft.
Die Thüringer verstehen zu feiern, es war eine super Party bis in die frühen Morgenstunden. Nach dem Gig machten wir noch mit Sound & Lights ein kleines Briefing (so ne Art Manöverkritik, das macht man, wenn man perfekt arbeiten will, sagt Dad), und Mum bescherte der ganzen Mannschaft noch Bratkartoffeln mit Speck und Spiegeleiern. Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, wie lange das dauert, wenn Musiker am Quatschen sind, und so gingen wir wieder mal früh (...frühmorgens) ins Bett.
Nach einer kurzen Nacht ging’s zurück nach Weida, von wo wir am Montag unsere fünfte Woche (..ich kann es gar nicht glauben!) beginnen. Der heutige Sonntag dient rein zum Relaxen, abends ist Brotzeit und Kartenspielen angesagt (darauf können „Hard Core Allgäuer“ selten verzichten).

Macht es gut Ihr da draußen, es grüßt euch aus dem „Big Family“ Luxus Container - Euer TJ

Das Leben ohne Musik wäre ein Irrtum. Nietzsche


Mo. , 17. Oktober '05 - Es wird kalt. Und immer spannender.

Wie wird die Zeit nach dem langen Marsch?

   
   Will uns da jemand auf den Arm nehmen? 30 Meilen? Sind nach unserer
   Rechnung über 200 Kilometer. Oder hab ich in Mathe was verpasst?
   Jedenfalls - der erste Raureif auf der Wiese, Nebel und Temperaturen um
   die vier Grad zeigen uns, dass es Zeit wird, nach Berlin zu kommen. Eiskalter
   Wind wehte uns ins Gesicht, als wir auf der Straße von Gera Richtung Zeitz
   gingen. Auch hier am Straßenrand kaum Platz zum Laufen, wenigstens
   einen Acker parallel zur Straße, der aber durch seinen weichen Boden und
   Unebenheiten viel Kraft kostete. Die ebene Landschaft ist geprägt von
   riesigen Äckern, auf denen man nicht mehr sieht, was dort angebaut
   wurde. Hier sieht es schon arg nach Winterschlaf aus.
   Dads Erkältung ist immer noch nicht besser, wie auch, er hat keine Zeit sie
   auszukurieren, beißt sich aber durch. Die fünfte Woche ist nun schon
   angebrochen, und wir unterhalten uns bereits darüber, wie "die Zeit
   danach" aussieht – aussehen könnte. Irgendwie haben wir uns an dieses
   Leben schon sehr gewöhnt, egal ob auf engen Straßen oder in der weiten
   Natur, oder nachts zu viert plus Hund letztlich in einem einzigen Zimmer mit
   Rädern unten dran. Wir werden wohl eine ganze Weile zum Umgewöhnen
   brauchen. Während Dackel Julchen unter mir schnarcht, träume schon
   davon, mit meiner Band – der besten Band der Welt! – einmal auf diese Art
   auf Tour zu gehen, (nein Jungs, keine Angst - das Laufen lassen wir weg!),
   alle in einem Bus, und jeden Abend in einer anderen Stadt, Musik machen,
   fröhliche Menschen nach einem wunderbaren Abend nach Hause gehen
   sehen – und einfach nur Spaß haben.


Ich liebe diesen Job als Musiker; und ich will und kann mir nicht vorstellen, jemals etwas anderes zu machen.
Wenn das also kein Grund ist, 700 Kilometer zu laufen, welcher dann?
Bald ist es soweit, und ich kann Euch alle, die Ihr mir tagtäglich schreibt, endlich wieder in den Arm nehmen. Ihr fehlt mir!!! Reisende berichten von Fernweh, oder auch von Heimweh – aber ich bekomme wohl "Freundesweh".
Die Technik mit Funk-Laptop und Handy ist zwar sehr schön, aber ich will einfach wieder in Eure Augen sehen.
Es ist wie beim Singen, ein Studio Take ist eben was anderes als ein Live Konzert. Ich freu mich schon so auf Berlin, ich kann gar nicht sagen, wie!
So Freunde, Mum hat meine Lieblings-Pasta, Spaghetti a la Bolognese gekocht, dann noch schnell im Hymer unter die Dusche und ab ins Bett. Es ist wie kurz vor Weihnachten, schnell schlafen, dann ist es bald soweit.

Keinen verderben lassen, auch nicht sich selber, jeden mit Glück erfüllen, auch sich. Das ist gut. - Bertold Brecht
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