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TRJ´s - Tagebuch vom "Walk to Berlin" !
 
Sa. 27. August '05

700 Kilometer zu Fuß nach Berlin?

...am besten, ich erzähl’s einfach von Anfang an:

Es war früh, irgendwann zwischen vier und sechs Uhr. Dad und ich saßen im Garten, die Füße auf dem Tisch, einige hundert Kilometer Autobahn im Kreuz, und wieder einmal von einem wunderbaren Gig zurück zu Hause.
Das kleine Holzhäuschen unserer Familie vor uns, die vielen Fans in Erinnerung – heute, wie von all den vielen Gigs zuvor. Fast jeder von Euch da draußen fragte nach einer neuen CD – und wir hatten langsam aber sicher ein schlechtes Gewissen.
Die Aufnahmen könnten fertig sein, doch hier noch ein Take mehr, dort noch mal ins Studio – wir waren nicht zufrieden. Noch diesen coolen Song mit drauf, jene Aufnahme nochmal, dann dazu Dad’s Lieblings-Geiger buchen... und am Schluss stand immer wieder ein riesiger Betrag auf dem Zettel – für Autorenrechte, Studiokosten, Abschlussmixes, Gema und den geringsten Teil, der Pressung samt Cover-Druck. Sogar unsere Agentur wartet schon – das Design ist bereits fertig.
"Warum eigentlich haben wir keine CD, die so geil ist wie unsere Live-Auftritte", fragten wir uns fast gleichzeitig.
Ich sagte - nein, ich hörte mich sagen: "Ich würd’ nach Berlin laufen, zu Universal oder sonst wohin, um an der Tür zu klingeln – nur für eine Chance. Einmal vorsprechen oder gar vorspielen".
"Mach’s doch", lachte Dad. "Die Awards hast Du ja alle schon – fehlen bloß noch lächerliche 700 Kilometer..."
Und er war sich der Tragweite nicht bewusst. Wenn ich ehrlich sein soll: Ich auch nicht.
"Ja... Lass uns Straßenkinder sein - on the Road again...", schmunzelte Dad. Wir schauten auf unsere Füße, die auf dem Tisch lagen.
Und ich fragte ihn: "Gehst Du mit?"
"You never walk alone", antwortete Dad. "Das, was wir für die neue CD immer wieder im Kreis laufen, können wir auch geradeaus laufen – nach Berlin."
Später, wir hatten nicht viel geschlafen, erklärte uns Mum beim Mittagsfrühstück erst mal für komplett bescheuert.
Dad spülte seinen Kaffee runter, fuhr nach Kempten und kippte Stephan (von unserer Agentur) sozusagen die Idee einfach vor die Füße.
Er hörte lange zu und sagte dann: "Bitte rennt nicht gleich los, sonst komm’ ich nicht hinterher – macht erst mal Belastungs - EKGs, und lauft mal 25 Kilometer an einem Tag." – Und: "You never walk alone."
Die EKGs schauen gut aus, Dad und ich sind schon ein paar 25 Kilometer am Stück gelaufen...
Mehr nächste Woche – wenn alles klarer ist... Wir halten Euch auf dem Laufenden. Versprochen!

Euer Tommy Jr.
 

 


Mo. 12. September '05

Noch sieben Tage bis zum Start

So, langsam wird’s ernst, und ich bin froh, dass es bald losgeht. In vielen Mails werde ich gefragt, wer alles bei unserem "Walk To Berlin" mit dabei ist, wo wir schlafen, wie wir erreichbar sind und und und...
Natürlich haben wir mit schlauen Leuten unseren Lauf genau geplant - ihr müsst Euch keine Sorgen machen.
Aber noch ein paar Antworten:
Meine ganze Familie begleitet mich die 6 Wochen, Mum fährt das Wohnmobil, in dem wir übernachten, die Instrumente und Verpflegung transportieren, mein Bruder Kevin filmt, fotografiert und spricht täglich mit unserer Agentur über den Stand der Dinge, Pressetermine usw. Dad läuft bekanntlich mit, und Dackel Julchen ist unser Bodyguard.
Wir sind gespannt auf unseren Walk und den Besuch unserer Freunde und Fans auf der Strecke. Aus Minden hat sich bereits ein Club angemeldet, der eigens einen Bus chartert und uns mit ca. 60 Personen besuchen möchte.
Fans aus München, Köln, Bochum, Bremen, Steinfeld, Erfurt, Magdeburg, Leipzig, Berlin, sogar aus der Schweiz
und Liechtenstein möchten das Gleiche tun - und ich fühle mich jetzt schon wie Forrest Gump... haha...
Hier auf unserer Website werdet ihr wie in einem Tagebuch kontinuierlich von unseren Erlebnissen an und neben der Strecke lesen, aktuelle Fotos sehen und erfahren, ob wir Nachschub an Blasenpflaster brauchen.
Habt Verständnis, dass wir in der Zeit telefonisch nicht erreichbar sind, aber alle e-mails an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! empfangen und unser Online-Gästebuch einsehen können.
Ganz lieb wäre, wenn sich noch ein paar Fans an der Strecke melden, wo wir ab und zu unsere Wäsche waschen könnten – tja solch einfache Probleme tauchen auf, wenn man 700 Kilometer laufen will.


Do. 15. September '05

I never walk alone

Das Laufen ist das eine, aber ohne Dach über dem Kopf danach schlafen - und durstig einschlafen? Nein, die Familie wächst - heute haben wir das dicke Wohnmobil abgeholt, mit dem die Hymer AG unseren Lauf nach Berlin unterstützt.

Danach ging's zur Mineralbrunnen AG: Dort hatte man ausgerechnet, dass wir knapp 500 Liter Flüssigkeit bis Berlin brauchen.
In Form von Krumbacher Erfrischungs-Getränken stehen diese uns nun Tag für Tag zur Verfügung.
Es macht Gänsehaut, wenn ich sehe, wer einem heute doch alles zur Seite steht: einerseits auch Ihr alle da draußen im Gästebuch, aber auch durch diese und weitere Sponsoren, die Material wie Laptops, Laufbekleidung uvm. stellen oder mit Know How und Ihrer Zeit helfen.

Daher einfach einmal jetzt schon ein dickes DANKE!

Fotos v.l.:
1) Mum, Dad, Herr Hummel von der Hymer AG und mein Bruder Kevin bei der Übergabe.
2) Dad und ich beim Signieren meiner Gitarre als Geschenk für Hymer.
3) Meine Family (und ich natürlich...) mit Hartmut Schütze von der Mineralbrunnen AG beim Beladen des Wohnmobils mit der ersten Palette Krumbacher Mineralsäfte und Afri Cola.



Mo. 19. September '05, 09:00 Uhr, Überbach bei Kempten

Das letzte Lied und los geht's.

   
    24 Kilometer und etliche Stunden, nachdem ich heut mein 
    Abschluss- Lied für die Allgäuer Fans gesungen habe, bin ich
    nun in Eggenthal. 
    Mein Dad und ich hatten heut schon fett Spaß auf der Straße.
    In jeder Pause sprachen uns die Leute an:
   „Lauft Ihr wirklich nach Berlin...?“

    Da wir ein Gästebuch dabei haben, schreiben alle mit
    Vergnügen hinein
    – und wir nehmen ein Stück in Gedanken mit nach Berlin.
    Mit vielen Glückwünschen geht es dann auch weiter.

   

Mama und Kevin fuhren immer sechs Kilometer mit dem Hymer Mobil vor und stellten uns für die nächsten sechs Kilometer alles her, so dass wir uns nur noch von den alten nassen T-Shirts und Pullovern trennen mussten.


Und im Nu ging es schon wieder: On The Road Again...

die ersten Blasen kommen schon, aber nachdem wir von Lothar Roscher und Rainer Eckert gut mit Blasenpflaster und Ölen versorgt wurden, war das kein großes Problem - Danke Euch Zwei!

Und Hey! Da draußen - wie Ihr wisst, sind wir zwar nicht telefonisch erreichbar, aber Ihr könnt uns ja e-mails schreiben. Aber seid nicht sauer, wenn wir nicht alle beantworten können. Man sieht sich auf der Straße!


 
 
 
  
Di. 20. September '05, 15:30 Uhr - Bad Wörishofen

Step by step - "nur" noch 650 Kilometer

Der zweite Tag: abgesehen von 2 DICKEN Blasen an den Fersen und Muskelkater an Stellen, wo ich niemals Muskeln erwartet hätte, superschön!
Dad und ich sind morgens um 8:30 gestartet und genossen die Landluft im Ostallgäu um Baisweil in vollen Zügen. Der Morgennebel lichtete sich, die Wolken rissen auf, weißblauer bayrischer Himmel und die Sonne lachte, als wollte sie sich lustig machen über uns, denn die ersten Schritte machten wir vor lauter Muskelkater im Stechschritt. Aber vielleicht hat sie nach dem Wahlergebnis einfach nur über dieses unregierbare Land gelacht.
Ein Grund mehr, das Leben selbst in die Hand zu nehmen, zu tun, zu laufen...
Mittags kamen wir in Bad Wörishofen an und am liebsten hätten wir unsere Beine in eine der vielen Kneippbäder verwöhnen lassen - aber keine Zeit, denn Mum wartete mit einem super Mittagessen: Gulasch mit Nudeln und Gemüse unter freiem Himmel, in der Sonne. Ihr müsst aber nicht neidisch werden, denn die Schmerzen blieben, ich möchte nicht jammern, aber es ist schon hart. Ok, ich denke, das wird in der ersten Woche so sein, und wir hoffen, es wird besser. Die Laune in der Familie ist einfach klasse, Dad geht mein Tempo tapfer mit (manchmal flucht er ganz leise, glaube ich...), Mum fährt das Hymer Mobil (als hätte sie noch nie etwas anderes gefahren) und Kevin ist den ganzen Tag mit seiner kleinen Kommandozentrale - Telefon, Laptop, Navigationssystem und Landkarte - beschäftigt (hallo Houston – wir haben da ein Problem...). Nur Julchen ist überfordert (soll ich zuerst fressen – und dann schlafen oder umgekehrt??) Wenn Ihr uns in Berlin nicht seht, dann deswegen, weil ein dicker Dackel vor uns steht...

Also, - bis bald irgendwo an der Strecke! Und dickes Danke für all die Mails und Gästebucheinträge!
I don't walk alone... Schönes Gefühl.



Mi. 21. September '05, 18:30 Uhr – Großaitingen

Der Dreck der Straße gehört uns...

Der dritte Tag ist vorbei, hinter uns liegen jetzt schon knapp 75 Kilometer, und heute hatten wir schon
stark mit unseren Schmerzen in den Beinen zu kämpfen. Dazu kam noch, dass wir uns verlaufen hatten (die Karte war schuld!), und wir mussten fast einen Kilometer durch einen dichten Wald wieder zurück zur Straße. Dad und ich machten uns einfach ein Abenteuer daraus und lachten über unsere Dummheit.
Überhaupt war die Strecke heute nicht einfach, da wir oft an der Hauptstraße entlang laufen mussten, wo Autos und LKW nur einen halben Meter an uns vorbeifuhren, den Straßenstaub in`s Gesicht wehten und das Laufen zur Tortur werden ließ, aber egal, jetzt ist es auch vorbei.
Die Sonne schien und eigentlich freute uns der Dreck auf der Straße, denn er gehört zu uns – den Tramps auf Zeit. Wenn der morgige Tag vorbei ist, ist die Kilometerzahl schon dreistellig und das wird morgen mit einem exzellenten Abendessen von Mum gefeiert. Jetzt noch schnell unter die Dusche, die Blasen ins Bett gelegt, geschaut ob noch Platz ist, dazugelegt und schnell schlafen, denn die Straße wartet in wenigen Stunden wieder auf uns.
Bis morgen in alter Frische!

Foto: Mum läuft zur Aufmunterung ein bisschen mit.


Do. 22. September '05, 19:36 Uhr - Augsburg Nord

Der vierte Tag - no end in sight

Hey da draußen und zu Hause - mit unseren permanenten Schmerzen und Blasen möchte ich Euch nicht mehr behelligen, da ich eh glaube, das bleibt bis Berlin so. Denn wir schreiben hier ja keine Anleitung zum Unglücklichsein - im Gegenteil, eigentlich und überhaupt was die heutige Etappe einfach nur schön.
Von Großaitingen bis Augsburg gingen wir einen Radweg entlang der Wertach. Natur pur, und es war wie die Welt neu erleben, man sammelt so viele Eindrücke über Pflanzen, Bäume, Seen und Wälder, und mittlerweile können wir schon unterscheiden, welcher LKW Diesel und welcher Biodiesel tankt (riecht dann so wie an der Friteuse im Drive In). Vielleicht entwickele ich mich ja noch zum Pfadfinder (mit Kevins Navi in der Hand) und kann Spuren lesen wie z.B. diesen komischen weißen Strich, dem wir oft hinterherlaufen. Dad sagt, das heißt Fahrbahnmarkierung... hahaha...

Alright, schnell noch unter die Dusche, verliert eure Träume nicht - Euer TJ



Fr. 23. September '05, 21:10 Uhr - Pöttmes

Die erste Woche ist geschafft.

- und das ist gut so!!! Heute war ein wunderschöner Spätsommertag, laut Thermometer 28 Grad. Unser Verbrauch an Krumbacher Mineralgetränken heute war fast ähnlich wie der von Schumis Ferrari (das Augustiner Weißbier heut Abend nicht mitgezählt).

28 Kilometer betrug unsere heutige Etappe, und irgendwie kam`s mir vor wie im Film "So weit die Füße tragen". Das Wochenende und Mum`s gute Küche vor Augen ging`s irgendwie gut voran, und jetzt sitzen wir am Mandlachsee bei Pöttmes (Foto) und sind stolz, die erste Woche überstanden zu haben.
Wir freuen uns jetzt aufs Wochenende, zwei Tage Pause und Fußpflege, können endlich unsere Blasen zählen (ohne Angst zu haben das neue dazu kommen), Wäsche waschen und das Hymermobil neu organisieren.

Wir wünschen euch viel Sonne -
„ DAS GLÜCK BERUHT OFT NUR AUF DEM ENTSCHLUSS
GLÜCKLICH ZU SEIN .“ Lawrence Durrell


So. 25. September '05, 18:40 Uhr - bei Pöttmes

Ich glaub, es geht schon wieder los...


    Wir hoffen, Ihr hattet auch so ein schönes Wochenende wie wir.
    Heute kam Besuch vom Harley-Stammtisch aus Sonthofen und Freunden
    aus dem Großraum Augsburg.
   
    Mum kochte geniales Essen, italienische Hähnchenpfanne mit Kartoffeln
    und Gemüse, und wir genossen in einer fröhlichen Runde den schönen
    Herbsttag.




Wir lernten den sympathischen Bürgermeister Hans  Schmuttermeier (Foto) von Handzell kennen, der sich ins Gästebuch eintrug und uns viel Glück und Erfolg wünschte.
Bedanken möchten wir uns auch für die Unterstützung von den Mitgliedern des ASV Mandlachsee.

Wenn ihr das lest sind wir wahrscheinlich schon wieder "on the Road", wir freuen uns jetzt schon auf die vielen neuen Bekanntschaften dieser Woche und neue Erlebnisse auf unserem Marsch.
 
Wir wünschen euch einen guten Wochenstart!

WENDE DEIN GESICHT DER SONNE; UND DU LÄSST DIE
SCHATTEN HINTER DIR.
Afrikanisches Sprichwort






Mo. 26. September '05, 22:10 Uhr - bei Neuburg

The same procedure as the last week...

   
    Morgens um 09.05 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Neuburg an der
    Donau. Wieder mal ein Herbsttag wie aus dem Bilderbuch, und ich bin froh,
    daß es wieder losgeht.
    Mum kocht einfach so gut, daß ich Angst habe, der erste Läufer zu sein, 
    der auf 700 km zunimmt. Wir machten heute gutes Tempo und spulten
    die 24 km wie nichts runter, denn wir beide freuen uns jetzt auf unsere
    Fans and Friends in Nürnberg.
    Heute Nacht nächtigen wir auf einem Campingplatz direkt an der Donau, 
    und nach der Allgäuer Brotzeit und Weizenbier geht es um 22.00 Uhr ins
    Bett, um fit für den morgigen Tag zu sein. Leider sagt der Wetterbericht
    für morgen Regen an, aber wir trösten uns dann am Abend mit euren
    e-mails und Telefonaten.
 
    Bis morgen, Big Hug

    MANCHE ÄRGERN SICH DARÜBER, DAS DIE ROSEN DORNEN HABEN,
    ANDERE FREUEN SICH, DAS DIE DORNEN ROSEN HABEN. Alfred Mackels


 
Di. 27. September '05, 21:23 Uhr - Eichstätt

I'm singing in the rain, I'm happy again

Auch heut als die Sonne nicht gelacht,
hab ich ganz fest an Euch gedacht..
Ihr sitzt zu Hause und fiebert mit mir,
seid gewiss, Ihr habt meinen Dank dafür.
Ohne Euch hätt ich´s nicht bis hier geschafft,
Freunde geben einem immer wieder Kraft.
Wenn ich mal ganz tief unten bin,
und die Gefühle fahren Achterbahn,
weiß ich, Ihr steht alle hinter mir,
und ich immer auf Euch zählen kann.
Jeden Schritt von mir geh ich auch für Euch.
Ihr seid mein Pulsschlag, mein Herz und
meine Stimme, wenn ich Dad über Wald und
Wiesen scheuch.
Mum, das heiße Eisen, hat denn ersten
Stress auf meinen Reisen.
Ein Pflaster hier, ein Cremchen dort,
kochen, jeden Tag an einem anderen Ort.
Und ist ihr Tagwerk dann endlich vollbracht,
ist sie manchmal schon vorbei, die kurze
Nacht.
Dann geht’s sofort von vorne wieder los,
und denkt ach wären die in Berlin schon bloß.
Kevin arbeitet am Laptop wie zum Sklaven verdammter und
würde er sich nicht ab und zu bewegen,
könnte man meinen, er sei Beamter.
Er macht die Fotos, telefoniert und schickt e-mails in die ganze Welt,
toll wie er im Chaos den Überblick behält.
Ihr seht, bei uns ist alles beim alten, und die Dinge stehen nicht schlecht.
Na ja bei Kevin und mir ein wenig mit dem weiblichen Geschlecht...

Es grüßt euch herzlichst aus dem Hymer Bett - Euer TJ aus Eichstätt



Mi. 28. September '05, 21:36 Uhr - Thalmannsfeld

Auf den Spuren der Römer

   
    Wir waren heut durch einen wunderschönen Flecken von Deutschland
    unterwegs, dem Altmühltal. Das Wetter war wechselhaft, aber überwiegend
    trocken. Die ganze Palette, Nebel, Regen, Sonne und Wind bestimmten den
    Tag. Aber wie gesagt, die tolle Landschaft entschädigt für alles.

    Auf den Spuren der Römer war unser Motto.
    Zunächst auf der Via Reatica und ab der Universitätsstadt Eichstätt auf der
    Limesstraße, einfach nur gut. Wenn ich daran denke, daß die Römer nur mit
    genagelten Sandalen unterwegs waren, könnte ich glatt alle Pein vergessen,
    die ich in letzten Tage hatte, und mich vor meinen Nikes verneigen.
    Ich sag Euch, die Zeit rast. Wir können es gar nicht glauben, dass schon
    wieder eine Woche zur Neige geht und bald 1. Oktober ist (wir hoffen ein
    goldener). 

    Morgen endet unsere Etappe in Roth, eh wir dann am Freitag in Nürnberg
    einmarschieren und Dad´s Geburtstag am Sonntag feiern (wir feiern rein am
    3.10.), bleibt alle gesund - bis morgen!

    Fortes Fortuna adveniat - den Tapferen hilft das Glück (Terenz)


    Foto - ein echter "Straßen-Musiker": Ich geh erst weiter, wenn ich ein Eis bekomme...



Do., 29. September '05, 08:23 - Roth

Brauchen dringend Strom...

Heute ein Tagesbericht von Tommy „The old Dog“: Durch das Altmühltal zum Rothsee mussten wir die Route leider etwas ändern, da wir mit dem
3,8 t Hymer Wohnmobil nicht überall stehen dürfen und dringend Strom und Wasser brauchten. Der Tag war landschaftlich berauschend, und wir freuen uns schon auf morgen, dem Wochenendziel Nürnberg.
Viele Freunde haben sich angesagt, sogar bis von Aachen/Eschweiler kommen Fans & Friends, um uns ihre Unterstützung zu zeigen. Wir sitzen gerade bei Freunden in Neumarkt / Oberpfalz, die uns zum Abendessen eingeladen haben.
Schnell noch ein paar Bierchen geleert und dann ab ins Bett, denn morgen wartet auf uns Griz Weimer von den Hot Country News, der uns für eine Fotostory nach Nürnberg begleiten wird.

Stay Tuned, bis morgen - Euer Tommy Blasius Muskelkater Roberts
Foto: Mit unseren Freunden im West-Side.


Fr., 30. September '05, 08:23 - nächster Gig auf der Strecke

Live: Sa. 01.10. im West-Side in Neumarkt

Zwischenmeldung: Die nächsten Veranstalter sind klargemacht. Wir spielen am zweiten Pausenwochenende, morgen am Sa., den 01. Oktober, in Neumarkt (südöstlich von Nürnberg). Es gibt bereits die ersten Wetten, ab wann wir nur noch im Sitzen auf Stühlen spielen, weil wir nach all diesen Kilometern nicht mehr stehen können...
Aber dafür werde ich mir den A... aufreißen, denn den brauch' ich nächste Woche zum Laufen nicht...
Und die großen Abschlußparties stehen fest: Am 28. und 29. Oktober in Berlin - mehr Infos direkt beim Veranstalter IC-Music.



Fr, 30. September '05, 21:40 - Nürnberg

Auf geht’s in die Frankenhauptstadt

Wir haben uns um 9.00 Uhr mit Griz Weimer vom Online-Magazin Hot Country News getroffen und sind am Main-Donau Kanal Richtung Nürnberg marschiert. Der liebe Gott muss Musiker mögen, denn als wir aus dem Wohnmobil stiegen, hörte es zu regnen auf, und ab und zu blinzelte sogar die Sonne hinter den Wolken hervor.
Der Rad- und Wanderweg fast leer, ab und an ein paar Lastkähne, dann ein großes weißes Schiff, die "Basel", mit fröhlich winkenden Passagieren. Mum hatte das Hymer direkt am Kanal geparkt, so dass jeder die Aufschrift "700 km zu Fuß nach Berlin" lesen konnte, aber ich glaube, keiner von denen wollte mit uns tauschen... ich auch nicht!
Griz machte seine Fotostory über uns entlang des Weges, und ich weiß, er ist bestimmt das Doppelte gelaufen, da er immer vor und zurück lief, bei einer Brücke die Seite wechselte, um dann wieder zu uns zu stoßen – Griz, Du hast es einfach drauf! Seine persönliche Story gibt es in Kürze auf seiner Seite www.hotcountrynews.de.
Später kam noch eine Reporterin von den Nürnberger Nachrichten - komisch, wenn man man die Zeitung am nächsten Tag nicht kaufen kann, weil man schon wieder weitergezogen ist.
Unsere Etappe endete am Nachmittag im Nürnberger Hafen, und wir machten uns auf zu lieben Freunden, Familie Nick Nolte, nach Burgthann.
Emilie, Linda, Amanda und Nick nahmen uns in ihrer Mitte auf, als wären wir verwandt, und wir genossen einen harmonischen „Familienabend“ im trauten Heim. Mum konnte unsere Wäsche waschen, und für eine Nacht tauschten wir unser Hymer gegen 200qm Wohnfläche. Morgen Abend geht’s dann wieder zurück nach Neumarkt, um den Gig im Westside zu spielen, (endlich wieder mucken) und schon mal Dad`s Geburtstag ein wenig vorfeiern (er sagt immer, sein Geburtstag gilt eine Woche..!).

Foto: Kein Wunder, dass wir nicht vorwärts kommen... (Foto: Griz Weimer, HotCountryNews.de)


Sa., 01. Oktober '05 - Neumarkt / Opf.

Partystimmung im Westside


Von unserer „Zweitfamilie“ Nolte verabschiedeten wir uns um 17.00 Uhr Richtung Neumarkt ins Westside. Inge und Mike, die Besitzer, DJ Fritz und die restliche Crew vom Westside begrüßten uns mit einem deftigen Essen und meinten, wir würden dies dringend für den heutigen Abend brauchen. Spätestens um 21.00 Uhr wussten wir, was sie damit meinten...

Rrrrummmms, und die Hütte war voll! Und unsere Oberpfälzer Fans waren der Meinung, wer läuft, braucht viel Flüssigkeit, doch in Gedanken an die nächsten 14 Tage Fränkische Schweiz und Bayerisches Vogtland mit etlichen Höhenmetern beließen wir es doch bei Cola und Energie Drinks. Partystimmung pur im Westside, jung und alt beim Abfeiern, und die Zeit verflog im Nu. Ruck zuck war es halb drei, und wir gingen in unser vorgeheiztes Hymermobil, um der restlichen Nacht noch eine Chance zu geben. Inge und Mike luden uns noch für den morgigen Sonntag zu meiner Lieblingsspeise aus dieser Region, Schäufele mit Knödel und Blaukraut, ein - und dies ist ein Grund, gaaanz schnell zu schlafen.

 




So. , 02. Oktober '05 - bei Nürnberg

Die Kräfte mit "Schäufele" sammeln

Die Nacht war sehr kurz, denn wir haben längst unseren Rhythmus gefunden: Man ist einfach ab 7.00 Uhr wach. Gutes Frühstück von Mum, Kaffee, Eier und Speck ließen den Tag schon mal gut losgehen. Wir organisierten das WoMo neu und dann ging es zum Mittagessen. Wenn ihr mal in der Region seid, lasst euch Schäufele mit Knödel und Blaukraut nicht entgehen! Ihr werdet dann besser verstehen, warum ich mich so darauf freute.
Das Laufen hat schon sein Gutes, ich konnte essen, soviel ich wollte, denn am Montag spring ich das schon wieder weg. Den restlichen Tag verbrachten wir sehr geruhsam in Vorbereitung auf die nächste Woche.

Ok Freunde, das war unser echt schönes Wochenende mit vielen Freunden und viel Spaß, bis nächste Woche!


Mo. , 03. Oktober '05 - gen Fränkische Schweiz

Griechischer Schnaps zur deutschen Wiedervereinigung

Hey! Vielen, vielen Dank für die unzähligen Glückwünsche zu meinem Geburtstag, habt bitte Verständnis, daß ich nicht Jedem antworten kann, denn dann müsste ich den Lauf mit TJ für mindestens drei Tage unterbrechen.
Trotzdem, seid alle ganz fest geknuddelt dafür. Euer Tommy (The Old Dog)

TJ schreibt weiter: Montag morgen 7.30 Uhr - und die Woche nimmt kein Ende.... trotz feiern bis fast 3.00 Uhr früh sind wir wie ferngesteuert aufgestanden und machten uns auf den Weg nach Nürnberg zu unserem Ausgangspunkt.
Wir hatten wieder Freunde dabei, die uns auf unserer heutigen Etappe begleiteten. Andy und Julia (von IC-Music, die eigens aus Berlin angereist sind) und Nick Nolte mit Tochter Amanda machten sich mit auf den Weg nach Igensdorf.
Unterwegs luden wir alle zum Mittagessen ein, griechische Küche (natürlich mit Ouzo und Metaxa) versüßte unsere Mittagspause am Tag der deutschen Wiedervereinigung. Nach dem Essen fiel uns allen der Weg ziemlich schwer, aber keiner von uns hat jemals einen Verdauungsspaziergang von knapp 14 Km gemacht.
Den Abend verbrachten wir bei lieben Freunden, Heidi und Gerhard Ehrenberger bei einem exzellenten Abendessen und ließen den Geburtstag von Dad schön ausklingen. Morgen geht es auf unsere erste Bergetappe der fränkischen Schweiz nach Pottenstein und wir sind gespannt, was da wohl auf uns zukommt.

„Wer ab und zu nicht sündigt, verliert den Spaß an der Tugend“ - aus dem Film „Luis Trinker, der Underberg ruft“



Di. , 04. Oktober '05 - Pottenstein

Wer hat an der Uhr gedreht...

   Sündigen ist das Eine, schwer dafür 
   büßen eben das Andere. Junge, Junge 
   war das hart, kilometerlang nur bergauf, 
   und wir kamen uns schon vor wie
   Bergziegen. Wir schwitzten das ganze
   Wochenende raus (Dad vielleicht auch 
   die letzten 10 Jahre?), aber jeder Meter
   brachte uns dem versprochenen     
   Wurstsalat von Mum näher. Das Wetter
   war Gott sei Dank trocken, aber es war 
   sehr windig, und wir mussten den 
   ganzen Tag entlang der B2 laufen, was
   bei dem Verkehr sehr viel Konzentration
   forderte. Bei einem netten Gespräch mit
   Einheimischen erfuhren wir, daß es die
   nächsten Tage auch noch so weitergeht,

aber nur die Harten kommen in den Garten, oder, alles was nicht zum Tode führt, macht uns nur härter (so ein Scheiß - Spruch!). Um 17:15 kamen wir an unserem Etappenziel an, organisierten wieder mal das Hymer neu und sitzen jetzt bei einer zünftigen Brotzeit (und Kölsch Bier von Edith und Manne gesponsert) in unserem Schmuckkästchen.

Morgen ist ja mein Geburtstag, aber in Anbetracht des bevorstehenden Weges bleibt das „Reinfeiern“ leider auf der Strecke. Egal, ich freu mich trotzdem, denn ich bin gespannt, was ich geschenkt bekomme (hoffentlich keine neuen Wanderschuhe!)

"Auch in einem Rolls-Royce wird geweint, vielleicht sogar mehr als in einem Bus" - Francoise Sagan
PS: Heute mal wieder eine "Urlaubs-Postkarte an die Universal geschickt. Damit dann auch jemand da ist...


Mi. , 05. Oktober '05 - 18. Geburtstag in Hummeltal

ER_WACH_SEN!


 
Führerschein, wählen dürfen (leider zu spät - stand "Große Koalition" eigentlich auch auf dem diesjährigen Zettel?). Aber egal, ich bin einfach platt: Vielen, vielen Dank für die e-mails, SMS, MMS, Telefonate und auch dem unbekannten Straßenmaler auf der Strecke, der da schrieb: „Go TJ Go! Du schaffst es, Happy Birthday!“

Ich sag`s Euch, ich hab so lange gewartet auf meinen Führerschein – und nun? Ich gehe immer noch zu Fuß... Tja, that’s life, aber egal, ich glaube, ich bekomme auf Euren Bühnenbrettern noch genug
Kilometer zusammen.

Der Tag war wunderschön, Sonne und die schönsten Herbstfarben, die es in keinem Malkasten von Peter (...dat is der von farbe8.com, der mein neues CD Cover gemalt hat) gibt, einfach traumhaft, wenn da nicht die Bergetappen der Fränkischen Schweiz wären. Hey Harley Stammtisch, hierher machen wir mal eine Ausfahrt (...ich hab ja jetzt die Pappe, ha ha ha).

Auch hier erwartetet mich Besuch von lieben Freunden, die mit mir dann den Abend verbrachten. Solch ein Abend mit Familie und guten Freunden entschädigt für jede Strapaze. Doch dann kam es aber noch dicker, Stephan, Chef unserer Agentur, hatte beim Deutschen Musikerverband lang telefoniert, bis die’s rausgaben (eigentlich geht das nur per Post direkt – aber am Hymer-Mobil ist ja kein Briefkasten samt Nachsendeauftrag...), und rief mich an und sagte: Junge, alles Gute zum Geburtstag und hier mein Geschenk, Du bist für den Deutschen Rock & Pop Preis 2005 nominiert und sollst am 21.11.05 nach Hamburg laufen! Das saß gewaltig, aber wenn’s denn sein muss, würde ich es tun. Aber nur in seiner Begleitung (...wetten wir fliegen?). Ich sag's euch, so einen Geburtstag hatte ich noch nie, Wechselbäder der Gefühle den ganzen Tag lang und kein Ende in Sicht.
Ich atme gerade tief aus und danke euch allen von ganzen Herzen.
Ich spüre, ihr seid jeden Tag bei mir – gerade, wenn wie heute Abend im Wohnmobil das Funk-Laptop noch an ist, und alle halbe Stunde – bing... bing... bing – eine Email mit vielen guten Wünschen, neuen Gästebucheinträgen, eCards... etc. rein kommt: I never walk alone!

"Das Glück besteht nicht darin, dass du tun kannst was du willst, sondern darin, dass du immer willst was du
tust." Tolstoi

Foto: Hallo - hier spricht die Agentur, die diese Website Tag für Tag betreut. Und wir bekennen aufrichtig; Die
Beschriftungen auf dem Foto... na ja... sind von uns... zum Geburtstag natürlich!



Do., 06. Oktober '05 - Bayreuth

The Day after the Day...

Habt Ihr mir die Sonne geschickt? Tausend Dank, Ihr seid Spitze. Nach einem kräftigen Frühstück (Ihr wisst ja mittlerweile, wie gut Mum kocht) ging es in Richtung Bayreuth, der Heimat von Richard Wagner. Richi war damals ein sehr guter Freund von meinem Bruder König Ludwig, und ich freute mich, einmal in seine Heimat zu kommen (...ihr wisst schon noch, daß ich den Prinz Otto im König Ludwig Musical gespielt habe?). Bayreuth ist eine wunderschöne Stadt, und was ich gesehen habe, sehr sauber, Kompliment. Wir mussten heute einen Zahn zulegen, denn in Bindlach warteten Radiomoderatoren, Journalisten und ein ganz nettes Team von TV-Oberfranken (..mindestens genau so nett wie das von TV-Allgäu. Das Radiointerview vor dem Essen und die Fernsehreportage danach waren eine willkommene Abwechslung zu unserem normalen Tagesablauf.
Nach dem Dreh wieder zurück auf die Straße zum nächsten Interview der Bayreuther Zeitung, auch hier ein sehr freundlicher und interessierter Journalist. Ich freue mich, dass meine Geschichte überall immer mehr Sympathisanten bringt - zu meiner Person, meiner Familie, meiner Musik und nicht zuletzt zu meinem „Walk To Berlin“.
Irgendwie bin ich mächtig stolz (falls man das hierzulande noch sein darf).

Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß,
dass er glücklich ist, nur deshalb. Das ist alles.
Wer das erkennt, der wird glücklich sein,
sofort, im selben Augenblick. Dostojewski

Foto: Nur gemeinsam sind wir sauber... äh... stark


Fr., 07. Oktober '05 - Sendepause ab Bindlach / Bayreuth

Wir sind kurz mal weg...

   Wegen zwei schönen Jobs werden wir den Lauf unterbrechen,
   ins Wohnmobil steigen und heute nach Sinzheim und dann am Samstag nach 
   Frankfurt fahren.
   In Sinzheim bei Baden-Baden werden wir mit einigen Jungs unserer Agentur
   zusammentreffen, die uns dann nach Frankfurt begleiten - deswegen wird
   auf dieser Website leider die nächsten zwei Tage auch nichts neues zu lesen
   sein.
   Aber es ist wichtig, wir haben uns nach den ganzen intensiven Tagen vor
   dem Walk to Berlin seit drei Wochen nicht mehr gesehen. Es gilt, das eine
   und andere Thema zu streifen, Pläne festzumachen, neue Ideen
   auszutauschen und auch mal ein Bierchen dabei zu zischen.

   Durch den ganzen Presserummel - worüber wir natürlich nicht unglücklich
   sind, vor allem weil das alle sehr nette, interessierte Menschen sind, und weil
   wir zudem zu unseren Gigs losfahren mussten, haben wir einige Kilometer -  d.h. eigentlich einen ganzen  
  Etappentag verloren. Mehr dazu bald hier...




So. , 09. Oktober '05 - "Tommy, Agentur isch wied'r zuhause"

Zwei Super-Gigs und ab ins Bettchen!

Zwischenmeldung von Tommy's Agentur (sind nach den 800 Km am Wochenende gut zurückgekommen):

   Wahrscheinlich ist "the great Roberts Music Circus" noch unterwegs, oder er ist
   gleich nach der Ankunft zurück in Bindlach bei Bayreuth zum 
   Matratzenhorchdienst abgetreten, um morgen - nach drei Wochen Marsch und
   zwei schweißtreibenden Drei-Stunden-Konzerten (siehe erstes Foto, die Bude
   hat gekocht, und der Schweiß lief auf TJ's Gitarre in Strömen runter) - wieder
   fit zu sein. Wie gesagt - es gilt einen Tag aufzuholen.
   Derweil werden wir hunderte Fotos sortieren - es sind super Shots von den
   beiden Gigs mit Tommy's neuer, fünfköpfiger Band "The Cruisers" dabei, und
   wir versuchen, die möglichst bald online stellen.
   Eines möchten wir in Vertretung für die Jungs noch loswerden: Wir hatten am
   Nebentisch mitbekommen: "Was sind denn schon 25 Kilometer zu Fuß...?"
   Haben 'nen Hals (Ihr Sesselfurzer!!!) bekommen, aber uns bei soviel Schlauheit
   folgenden Gedanken lieber aufgehoben: Ich hatte damals beim Bund in der
   Grundausbildung 20 Kilometer Abschlussmarsch. Wer den nicht schaffte,
   musste die ganzen drei Monate wiederholen. Das war zwar in voller Montur,
   aber nur für einen einzigen Tag. Und danach konnte man die halbe Kompanie
   für drei Tage wegschmeißen. Die Tommies aber machen 25 Kilometer seit drei
   Wochen jeden Tag! Und die haben sich nicht nach dem ersten Tag bei den
   Sanis 'ne Salbe samt Krankmeldung geholt und rumgejammert.

 
 
Foto:
Für junge Fans gibt's gern auch mal ein extra Funk-Micro zum Mitsingen (im Nebel rechts begleitet Gitarrist Beefy).


 
 
 
 
 
 

  


Mo. , 10. Oktober '05 - Jetzt wird's hart!

Das Gebirge gibt keinen Kilometer zurück.

   (Update) Sorry, dass ich heute nicht so ausführlich
   schreibe, aber ich bin einfach fix und alle. Das
   Fichtelgebirge (woher der Chef unserer Agentur
   stammt) hat mich geschafft! Die Höhenmeter, die
   wir gemacht haben, ließen mich die schöne
   Landschaft nicht vollends wahrnehmen.
   Die Tage werden kürzer, im Hymer brannte bei der
   Ankunft schon Licht, doch wir wollten uns erst
   einmal anlehnen und schweigen.
   Aber wir müssen ranklotzen, denn durch die vielen
   Pressetermine letzten Donnerstag und den Auftritt
   am Freitag haben wir über eine ganze Etappe
   verloren! Nach hinten schieben lässt sich's nichts,
   denn die Abschlussparty steht ebenso wie unsere
   klare Ankündigung, am Fr. den 28.10. bei Universal
   zu klingeln.
   Laut Plan wäre am Freitag in Münchberg Endstation
   gewesen, wir sind aber nur bis Bindlach (Bayreuth
   Nord) gekommen. Das Wochenende mit den zwei
   Mega-Gigs steckt noch ganz tief in den Knochen.
   Das Aufholen der fehlenden Kilometer ist hier einfach
   unmöglich, und ich denke und hoffe, dass wir das
   frühestens nach Gera schaffen könnten, denn das
   Fichtelgebirge (Waldstein) und danach die Ausläufer
des Erzgebirges stehen auf dem Programm. Das sind übrigens die zwei von nur fünf deutschen Mittelgebirge, die 1000er zu verzeichnen haben (vgl. www.wikipedia.org). Da müssen wir ja zum Glück nicht drüber, aber es sind harte Tage - wenn auch in dem Sonnenschein, die uns so viele die letzten Tage gewünscht haben.
Kevin checkt unablässig die Karte, wo wir die Kilometer Stück für Stück wieder reinholen können.
Der Muskelkater meldet sich wieder in Regionen, wo ich nicht wusste dass da auch noch Muskeln sein könnten
(Mädels, freut Euch, der verlängerte Rücken wird stramm wie nie zuvor.) Dad redete nur sehr wenig (wenn, dann nur: "Wo ist das Sauerstoffzelt?"), aber er quält sich, trotz der am Wochenende eingefangenen Erkältung, für unsere Sache, ich bin einfach stolz auf ihn.

Bis morgen - Euer TJ

Probleme? – Man kann sie auch als Herausforderung betrachten. - Tommy Roberts sen.




Di. , 11. Oktober '05 - Gewaltmarsch bis hinter Hof

Ein Care-Paket genau im richtigen Moment

Eigentlich fing der Tag in Münchberg beschissen an: Dad hatte eine Erkältung samt Gliederschmerzen im Gesicht (und nicht nur dort...), und ich hätte ihn am liebsten ins Bett zurückgeschubst. Aber wie ein Roboter stand er da und schnarrte mit kaputter Stimme: „Wir machen jetzt gemeinsam das, was wir schon seit über drei Wochen machen.“ Die Wohnmobiltür flog auf – und uns begrüßte ein weiterer goldener Oktobermorgen auf der Straße. Ich frage mich, ob wir denn wirklich so brav waren, dass wir so ein Wetter verdienen? (Ich glaube schon, denn unsere Teller sind jeden Tag leer, das Bierglas auch und abends liegen wir ab 22.00 Uhr im Bett. Und außerdem habt Ihr da draußen uns das gewünscht!)
Die Strecke durch Hof ist Gott sei Dank nicht so stressig wie die in den letzten Tagen, aber wir kommen bedingt durch Dads Erkältung nicht so schnell voran wie wir wollen, um die fehlende Etappe wieder reinzuholen. Im Hymer will er nicht liegen, ich will ihn nicht unbedingt tragen (obwohl er schon gut abgenommen hat), und Julchens Beine sind zu kurz zum Reiten. Dad sagt, er macht das für sich, um mit den Haien später im Becken schwimmen zu können. Den Rest seiner Worte erspar ich Euch, aber ich bin sehr stolz auf ihn und habe wieder etwas gelernt.
Lasst mich lieber vom Abend berichten, denn der war wieder mit einer Überraschung geschmückt. Unser Stellplatz für das WoMo war in Raitschin, nähe Hof. Ein wunderschöner Landgasthof mit
hervorragender Küche (fast so gut wie die von Mum) und edlem Gerstensaft aus der Region ließen uns den "Feierabend" genießen, aber es kam noch besser. Ein Auto mit OA-Nummer fuhr auf den Parkplatz, und die Eltern unseres guten Freundes Achim Däumler vom Harley Stammtisch stiegen aus - mit einem Etwas in der Hand, das sie uns mit der Aufschrift "CARE PACKET" überreichten.
Die beiden machen gerade bei Plauen Urlaub und hatten den Auftrag, uns zu überraschen. Hey Freunde! Das ist Euch gelungen, bei soviel care gibt es much move; ein original Allgäuer Bergkäse und jede Menge Schokolade werden unserem Endspurt den nötigen Kick geben (obwohl ich schon gehofft habe, es wäre eine 70er Wild Glide zum Ausklappen darin).
Wir verbrachten einen netten Abend, Dad ging es von Minute zu Minute besser, und wir hätten uns fast ein blaues Auge geholt, als wir meinten, dass er Bettruhe verordnet bekommt und morgen nicht laufen soll.
Morgen stehen zwei Pressetermine an, die (natürlich gerne) Zeit kosten, und deshalb müssen wir den Abend nun leider abbrechen – ab ins Bettchen. Gute Nacht John Boy...


Mi. , 12. Oktober '05 - Zu Fuß durch deutsch-deutsche Geschichte

Bei der Wiedervereinigung war ich zwei...

„Es gibt nur zwei Dinge für mich: Man tut es-oder man tut es nicht und ich tue es", mit diesen Worten zog sich Dad heute früh wortlos an. Ich vermied es nachzufragen - ich kenne ihn, diskutieren ist da zwecklos.
Im Hofer Funkhaus empfing uns ein äußerst freundliches Team von Radio Euroherz/Galaxy mit erstklassigem Kaffee; wir fühlten uns gleich sehr wohl dort. Man bereitete ein Live-Interview mit mir vor (Dad war ja andauernd am Niesen) und wollte noch etwas ganz besonderes: Mich live und unplugged in der Sendung singen lassen! Das kribbelte schon, auch wenn ich weiß, dass meine Stimme nicht nur mit viel Konserventechnik im Tonstudio funktioniert.
Christina, Moderatorin mit einzigartiger Stimme (genau wie ihr Aussehen) ließ mich zwar fast den Text vergessen, aber ich denke, für die Zuhörer war es vielleicht besser zu verstehen, warum ich meinen Walk To Berlin mache.
Nachher schauten wir noch schnell bei TV-Oberfranken vorbei (die ebenfalls im Funkhaus sitzen), um dort die DVD des Fernsehberichtes von letzter Woche abzuholen. Auch dort nur angenehme Leute und ich hoffe, das ich dort mal wieder zu Gast sein darf - vielen Dank Leute, ich werde nicht vergessen, was ihr für mich getan habt.
Nach dem Interview und dem Besuch ging’s zum nächsten Termin, Fotoshooting für die Frankenpost stand an, und Dad blickte schon ungeduldig auf die Uhr, denn wir mussten ja wieder auf die Strasse Richtung Plauen, unserem nächsten Etappenziel.
Als wir die ehemalige Grenze zur DDR überschritten, erzählte mir Dad in Kurzform die Geschichte der geteilten Nation, soweit er diese aus den Medien und dem Geschichtsunterricht kannte. Ich war ja 1989 bei der Wiedervereinigung erst zwei Jahre alt! Klar hatten wir diese ehemalige Grenze mit dem Auto schon oft gekreuzt, aber zu Fuß durch die alten Grenzanlagen, das ist etwas anderes. Mich hat sein Vortrag (keineswegs Lehrmeisterhaft) für den Rest des Tages so beschäftigt, dass ich mich näher damit befassen möchte, sobald ich wieder Zuhause bin. Die Gegend im Vogtland ist traumhaft und ihre Leute sehr freundlich und hilfsbereit - eine Gegend, wo ich jederzeit wieder gerne herkomme. Meine Erlebnisse bis jetzt lassen mich „mein“ Land mit ganz anderen Augen sehen, und da ich nun den Führerschein habe, werde ich mit Sicherheit auf meinen Touren öfter mal die Autobahn verlassen, Deutschland ist schön!



Mi., 12. Oktober '05 - "When you say nothing at all"

Live unplugged bei Radio Euroherz

 
























Unplugged live on air: Mr. Tommy Roberts jr. - stealing back country for everyone.


Do. , 13. Oktober '05 - Der Christoph Columbus der deutschen Feldwege

Hoppla, das "Bergfest" komplett verpennt!

Wie nennt sich die Halbzeit von Wehrdienstleistenden? Bergfest! Und das haben wir am Montag bei Kilometer 350 in Münchberg komplett verpennt. Zumal es ein doppeltes gewesen wäre: Ab dort geht's nur noch bergab - nicht mit uns, aber mit den Höhenmetern jenseits des Fichtelgebirges. Ich denke wir waren einfach zu geschafft - und andererseits noch in Gedanken bei den super Fans auf unseren Gigs am Wochenende.
Den Bericht für heute muss ich Stephan am Telefon durchgeben ("bitte lauter - schnarr... knarks... - sprechen, versteh' - rausch, knarks - Dich nicht, klingt ja wie Seniors Erkältung..."), da das Laptop überhaupt keinen Empfang vermeldet.
Jedenfalls 9:00 Uhr los, die Straße war eine Riesen Katastrophe, da die Autos haarscharf an den engen Straßen an uns vorbeifuhren, (fast schon lebensgefährlich). Einen alternativen Wanderweg gab's nicht, jedenfalls nicht auf unseren Karten, und als wir es das letzte Mal versucht hatten, hörte der Weg im Nichts einfach auf, es fehlt nur noch das Schild "Hier kehrte Columbus um". Wir kommen uns vor wie laufende Ruß- und Partikelfilter. Wenn wir nach dem Lauf in unsere "Santa Maria" - nee quatsch - ins Hymer steigen, denkt Mum vermutlich, wir arbeiten schwarz in einer Autowerkstatt, anstatt zu laufen. Berlin rückt immer näher - die Spannung steigt unendlich! Auch wegen Euch allen da draußen, Jeder hat irgendwie eine Überraschung für uns. Sogar Kevin tuschelt am Telefon schon rum. Die Gedanken schwirren, da kann man sich schon gar nicht mehr richtig ausruhen (Foto).

Die Planungen für die Abschlussfeier laufen bei Sound & Lights und IC-Music auf Hochtouren, beim City-Camping und Hotel  in Berlin, wo sich viele Fans und Bikerclubs treffen wollen, gehen Zimmer und Plätze weg wie warme Semmeln.
Und dann noch der Hammer am Schluss: Es ist zwar noch nix fix, aber farbe8.com verhandelt gerade über ein Benefiz-Konzert (mit The Cruisers) zugunsten der Erdbebenopfer von Kashmir in der deutschen Partnerstadt von Nashville!!!! Deren Oberbürgermeister Dr. Trümper hatte mir letztes Jahr den "Newcomer des Jahres" der GAMCF bei der MDR-Gala überreicht. Sobald wir mehr wissen, erfahrt Ihr das natürlich!



Fr. - bis So. , 14. - 16. Oktober '05 - laufen, spielen, laufen...

Ein Gig und Kräfte sammeln für die 5. Woche

Leider hatten wir in den letzten Tagen schlechten Funkkontakt für das Lap-Top, und auch das Senden von Fotos war schlicht unmöglich. Jetzt, kurz vor Gera, wird es wieder besser und hier nun im Paket unser Wochenende: Freitag - links eine Felswand, rechts eine Leitplanke, dazwischen Wochenendverkehr und wir wie Freiwild zum Abschuss am Straßenrand. So macht’s wirklich keinen Spaß, aber was tut man nicht alles für seinen Musikerjob oder gar einen Plattenvertrag. Wir konnten uns weder unterhalten, noch die gigantische Oktoberkulisse, die uns wieder mal beschert wurde genießen, sehr schade.
Über den Freitag gibt es also wenig Interessantes zu berichten, aber ansonsten geht’s uns fast wie Walter von der Vogelweide: Woche Laufen, Wochenende spielen. Momentan sind wir vor den Toren von Gera und haben den Lauf wieder mal unterbrochen, um einen Gig zu spielen. Freunde aus Erfurt, der Country Dance Club Renegades, organisierten am Samstag eine Party, und so machten wir uns schon am Freitag abend von Weida aus auf den Weg nach Erfurt. Peter, Siggi, Daggi, Rene und der Rest der Truppe empfingen uns ganz lieb und luden uns in ein cooles Country-Restaurant zum Essen ein. Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man so weit weg von Zuhause so viele Freunde hat, und manchmal ist es mir fast peinlich, wie man mich und meine Familie versorgt – vielen Dank dafür, Ihr Lieben!
Der Samstag begann frühmorgens 11.00 Uhr – die Nacht war wieder mal länger – mit einem ausgiebigen Frühstück bei Peter und Siggi, danach lud uns Peter in die Halle der Oldtimer Freunden Erfurt ein. Kevin und ich sind ja totale Autofreaks, früher Go-Kart Rennen in der Bayerischen Meisterschaft gefahren und haben zu Autos aus früheren Epochen ein enges Verhältnis. Wir bekamen eine tolle Führung und Geschichten zu dem einen oder anderen Gefährt und konnten uns gar nicht mehr trennen von all diesen liebevoll restaurierten Autos, aber die Zeit zur Abfahrt zu unserem Auftrittsort Alperstedt rückte näher. Gaby, Peter, Martin und Andy von unser Veranstaltungsagentur IC-Music waren aus Berlin angereist, um den Abend zu managen – es war wieder einfach spitze, wie sie alles mit einer Ruhe auf die Reihe bekamen.
„Der Kuhstall“, ein vom Heimatverein Alperstedt super umgebauter ehemaliger Kuhstall der Landwirtschaftlichen Genossenschaft war unsere Location. Unsere Freunde Carsten und Michaela, sowie Thorsten von Sound & Lights, unser Sponsor für Licht- und Tontechnik hatte bereits die Anlage aufgebaut und so hatten wir noch etwas Zeit, den perfekt umgebauten Saal zu inspizieren – Kompliment Leute, habt ihr gut hingekriegt!
Etliche Clubs aus der Umgebung waren für unseren Gig angereist, und innerhalb kürzester Zeit brannte die Luft.
Die Thüringer verstehen zu feiern, es war eine super Party bis in die frühen Morgenstunden. Nach dem Gig machten wir noch mit Sound & Lights ein kleines Briefing (so ne Art Manöverkritik, das macht man, wenn man perfekt arbeiten will, sagt Dad), und Mum bescherte der ganzen Mannschaft noch Bratkartoffeln mit Speck und Spiegeleiern. Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, wie lange das dauert, wenn Musiker am Quatschen sind, und so gingen wir wieder mal früh (...frühmorgens) ins Bett.
Nach einer kurzen Nacht ging’s zurück nach Weida, von wo wir am Montag unsere fünfte Woche (..ich kann es gar nicht glauben!) beginnen. Der heutige Sonntag dient rein zum Relaxen, abends ist Brotzeit und Kartenspielen angesagt (darauf können „Hard Core Allgäuer“ selten verzichten).

Macht es gut Ihr da draußen, es grüßt euch aus dem „Big Family“ Luxus Container - Euer TJ

Das Leben ohne Musik wäre ein Irrtum. Nietzsche


Mo. , 17. Oktober '05 - Es wird kalt. Und immer spannender.

Wie wird die Zeit nach dem langen Marsch?

   
   Will uns da jemand auf den Arm nehmen? 30 Meilen? Sind nach unserer
   Rechnung über 200 Kilometer. Oder hab ich in Mathe was verpasst?
   Jedenfalls - der erste Raureif auf der Wiese, Nebel und Temperaturen um
   die vier Grad zeigen uns, dass es Zeit wird, nach Berlin zu kommen. Eiskalter
   Wind wehte uns ins Gesicht, als wir auf der Straße von Gera Richtung Zeitz
   gingen. Auch hier am Straßenrand kaum Platz zum Laufen, wenigstens
   einen Acker parallel zur Straße, der aber durch seinen weichen Boden und
   Unebenheiten viel Kraft kostete. Die ebene Landschaft ist geprägt von
   riesigen Äckern, auf denen man nicht mehr sieht, was dort angebaut
   wurde. Hier sieht es schon arg nach Winterschlaf aus.
   Dads Erkältung ist immer noch nicht besser, wie auch, er hat keine Zeit sie
   auszukurieren, beißt sich aber durch. Die fünfte Woche ist nun schon
   angebrochen, und wir unterhalten uns bereits darüber, wie "die Zeit
   danach" aussieht – aussehen könnte. Irgendwie haben wir uns an dieses
   Leben schon sehr gewöhnt, egal ob auf engen Straßen oder in der weiten
   Natur, oder nachts zu viert plus Hund letztlich in einem einzigen Zimmer mit
   Rädern unten dran. Wir werden wohl eine ganze Weile zum Umgewöhnen
   brauchen. Während Dackel Julchen unter mir schnarcht, träume schon
   davon, mit meiner Band – der besten Band der Welt! – einmal auf diese Art
   auf Tour zu gehen, (nein Jungs, keine Angst - das Laufen lassen wir weg!),
   alle in einem Bus, und jeden Abend in einer anderen Stadt, Musik machen,
   fröhliche Menschen nach einem wunderbaren Abend nach Hause gehen
   sehen – und einfach nur Spaß haben.


Ich liebe diesen Job als Musiker; und ich will und kann mir nicht vorstellen, jemals etwas anderes zu machen.
Wenn das also kein Grund ist, 700 Kilometer zu laufen, welcher dann?
Bald ist es soweit, und ich kann Euch alle, die Ihr mir tagtäglich schreibt, endlich wieder in den Arm nehmen. Ihr fehlt mir!!! Reisende berichten von Fernweh, oder auch von Heimweh – aber ich bekomme wohl "Freundesweh".
Die Technik mit Funk-Laptop und Handy ist zwar sehr schön, aber ich will einfach wieder in Eure Augen sehen.
Es ist wie beim Singen, ein Studio Take ist eben was anderes als ein Live Konzert. Ich freu mich schon so auf Berlin, ich kann gar nicht sagen, wie!
So Freunde, Mum hat meine Lieblings-Pasta, Spaghetti a la Bolognese gekocht, dann noch schnell im Hymer unter die Dusche und ab ins Bett. Es ist wie kurz vor Weihnachten, schnell schlafen, dann ist es bald soweit.

Keinen verderben lassen, auch nicht sich selber, jeden mit Glück erfüllen, auch sich. Das ist gut. - Bertold Brecht



Di. , 18. Oktober '05 - Fans auf den Straßen im Lande Brandenburg:

„Ick hab noch 'nen Kofferraum für Berlin"

 
  
    Tag 30 - und heute machen wir Kilometer Nr. 500 - kam
    zu glauben! Aber es fällt mir (und auch den anderen)
    ziemlich schwer, morgens aufzustehen, denn draußen ist
    es kalt schon wie im November.
    Nur unsere Stimmung ist ungebrochen gut, machen
    Scherze und lachen, dass der Nebel keine Chance 
    hat, die Sonne in unseren Herzen zu verdunkeln.
    Leute ich sag euch, jetzt geht es in den Endspurt 
    und nichts hält uns auf. Ich freu mich schon, dem
    Letzten im Lande Brandenburg die Hand zu schütteln
    - es war eine dicke Überraschung, als ich heute die 
    Fotos von den Autos sah (und es sollen sogar noch
    mehr sein). Die Sonne war lange nicht zu sehen und der  
    Himmel war wolkenverhangen, als wir uns in Richtung 
    Zwenkau machten. Schon wieder eine Baustelle,
    und wir hoffen, daß der Umweg nicht zu lang ist.





Wie schon gestern, kleine Ortschaften und dann wieder riesige Äcker und vor uns das graue Band, das uns unserem Ziel, Berlin, immer näher bringt. 
Dad sagte einmal zu mir, wenn die auf den Feldern Raps anbauen, aus dem man Bio-Diesel gewinnt, wird diese Region bald erblühen und vielleicht „das Kuwait des Ostens der Republik“ - wir würden den lieben Leuten hier dafür die Daumen drücken.
Halloween kündigt sich überall an, und auch ich (siehe Bild) konnte nicht widerstehen, schon mal eine kleine Kostümprobe an einem aufgehängten Kürbis vorzunehmen.
So, morgen geht es nach Leipzig und nach unserem Lauf zu einem Pressetermin nach Bad Düben.
Peter Hornung von den Renegades hat dort eine Überraschung für uns vorbereitet und ich bin gespannt, was uns erwartet.

Macht es gut da draußen, der Countdown läuft....

Der größte Genusskiller: Zeitdruck. Lässt sich vermeiden,
denn wir haben Zeit für alles was uns wichtig ist. - Susanne Rick


 
 
 
 

  

Mi., 19. Oktober ´05 - in der Stadt der Montagsdemonstrationen


Glücksbringer und Leipziger Allerlei

   

    Wieder ein Tag – aber ein Tag wie jeder andere? 
    Mitnichten!, Carpe Diem - nutze den Tag, so kann
    ich es nur beschreiben. Sonne pur und ein
    traumhafter Weg entlang der Elster bis Leipzig.
    Fast schon hätten wir vergessen, dass man 520 Km
    auf dem Buckel hat, denn vor dieser Kulisse ist das Laufen 
    wie in Trance gegangen.
    Hier ein Foto, da ein Gespräch (weil wir immer
    wissen wollten, was da für Gebäude stehen), nur
    freundliche Menschen, und wir sogen die Momente wie ein
    trockener Schwamm auf.
    Doch auf einmal holt es dich wieder ein, die
    Geisel der Menschheit, das Telefon.


Jungs, legt einen Zahn zu, die Presse wartet auf Euch, Kevins Stimme klang sehr erregt, denn während wir uns der Schönheit der Umgebung widmeten, hatten Mum und Kevin alle Hände voll zu tun. Mum, mit dem Riesen Brummer von Hymer in der Leipziger Innenstadt und Kevin am Handy, beim Gespräch mit Reportern und der Termin-Koordination.
Also, zurück zur Mission "Walk To Berlin". In Leipzig angekommen, wartete schon ein sehr netter Moderator von RTL Radio und führte ein ausführliches Interview mit mir und Dad. Kaum war dieses vorbei, der nächste Radiosender,"Radio Mephisto" aus Leipzig mit einem Telefon-Interview und zum Schluss noch das Leipziger Volksblatt, ein Interview für die Zeitung.
Mann, ich bin schon stolz und glücklich, dass sich die Presse so für uns interessiert. Auch weil es inzwischen längst um mehr geht, denn nach vielen Tagen und Kilometern ist aus dem festen Willen, den Ernst um einen Job zu beweisen, viel mehr geworden; das „Experiment Familie“, Abend für Abend auf engstem Raum im Wohnmobil, gibt einen weiteren, ganz eigenen Sinn, und wenn ich von den Fans, Musik- und Musiker-Freunden höre und lese, würde ich sogar für ihre und unsere Musik selbst laufen. Puh - aber zumindest ist es meine Liebe zur Musik und zu meinem Beruf, die mich vorwärts treibt.
In meinem gestrigen Bericht erwähnte ich, dass Peter Hornung von den Renegades aus Erfurt eine Überraschung für mich hat, und wir waren alle sehr gespannt. Wir fuhren nach Eilenburg/Rothejane, und Peter empfing uns bei der Bildungsstätte des mitteldeutschen Schornsteinfegerhandwerks e.V., wo er als Lehrkraft tätig ist. Peter, selbst Schornsteinfeger und viele seiner Kollegen in Uniform gaben uns die Ehre, Glück für unseren weiteren Weg (auch über Berlin hinaus) zu wünschen. Hey! Nomen ist Omen hoffe ich, aber egal, wir alle haben uns riesig gefreut, wann hat man schon mal so viele Glücksbringer auf einmal. Wir wurden noch zu einer deftigen Brotzeit und ein paar Bier eingeladen (..merkt Ihr was? Man kennt uns schon...). Ich ließ mich nicht lange bitten und spielte für die ganze Truppe noch ein paar Songs auf der Gitarre. Leider mussten wir auch heute früh ins Bett, denn morgen wartet auf uns in Leipzig das Fernsehen für einen Drei-Stunden-Dreh, auf den ich mich jetzt schon freue. Außerdem will ich von dieser geschichtsträchtigen Stadt noch etwas sehen, wenn die Zeit reicht.
Das heißt aber auch, wir müssen morgen wieder Gas geben und die Zeit aufholen.

Deshalb - gute Nacht
Freunde, es ist Zeit für mich zu gehen.

Glück ist Talent für das Schicksal. - Novalis






 



Do. , 20. Oktober '05 - Wohin führt der Weg?

Das Schicksal nimmt seinen Lauf...

Wenn die Sonne scheint, sagt man immer, ..wenn Engel reisen, aber ich sage, ...wenn Engel einen begleiten.
Eure e-mails zeigen immer, wie sehr Ihr alle ganz nah bei uns seid - und diesen Kick brauchen wir gerade jetzt dringend. Als wir in der ersten Woche unterwegs waren, meinten wir, die ersten zwei Wochen sind wahrscheinlich die schlimmsten, und dann geht es von allein. Aber jetzt muss ich sagen, so langsam ist die Luft raus, die Kräfte schwinden merklich und die Regeneration, besonders nach den Gigs am Wochenende, braucht immer länger.
Wir gingen durch Täler, überschritten Höhen, und es ist wie im richtigen Leben – Höhen und Tiefen.
Beim Laufen frage ich mich manchmal, liegt Universal Music im Tal, oder auf einem Weg zu einer unbestimmten Höhe? So langsam kriege ich weiche Knie bei dem Gedanken. Ich glaube, jeder kennt das Gefühl, man macht einen Termin beim Zahnarzt, und je näher der kommt, um so mulmiger wird einem. Schön, dass meine ganze Familie dabei ist, so bin ich doch oft abgelenkt von meinen Gedanken, wenn man in sich gekehrt quer durch Deutschland vor sich hinläuft.
Heute sind wir in Bad Düben angelangt, ein sehr schöner Ort hinter Leipzig. Der Vormittag war wieder mal spannend, denn ein Kamerateam von Leipzig Fernsehen drehte eine Reportage über uns. Da fast ganz Leipzig momentan eine Baustelle ist, drehten wir außerhalb, am Winneberg. Das Team arbeitete sehr professionell, und kurz nach Mittag war alles "im Kasten", und wir machten uns wieder auf den Weg (und hätten uns bei der Beschilderung - Foto - fast verlaufen... alle Wege führen nach... Rom??? Berlin???). In Bad Düben fanden wir das wunderschöne Country Lokal "Goldgräber", und bei guter Musik liessen wir den Abend bei erstklassigen Spare Ribs und Wedges ausklingen.
Sorry, dass ich heute nicht so viel schreibe, aber ich bin hundemüde (wie Julchen) und hau mich jetzt ins Bett.
Morgen ist der letzte Lauftag in dieser Woche, und wir freuen uns schon auf den Gig am Wochenende in Scharfenberg, denn Musik ist einfach das, wofür ich geboren bin.

Seid alle umarmt da draußen!

Es ist gut, wenn man an Berge kommt. Man bietet dann die Kraft auf, sie zu übersteigen. - Paul Johann Anselm Feuerbach


So. , 23. Oktober '05 - Tausend Gedanken im Kopf

Noch eine Woche – plötzlich ist Berlin so nah.

Sorry, dass ich mich jetzt erste melde – war Freitag zu erschlagen, musste erst einmal meine Gedanken sammeln, die mit jedem Schritt mehr werden, in meinem Kopf schwirren und sich um "meine" Hauptstadt Berlin drehen. Tausend Fragen: Sind die Postkarten bei Universal angekommen? Was wird in Berlin passieren? Wer kommt alles und läuft die letzten Kilometer mit? Die Harley-Freunde mit befreundeten Clubs und andere haben sich ja angekündigt, und ich habe jetzt schon – nicht nur beim Motorsound – Gänsehaut. Fans – und ich sage schon immer lieber: Freunde haben von Bremen oder Nürnberg aus Flüge nach Berlin gebucht, der Campingplatz in Berlin, an dem sich alle mit uns treffen wollen, ist seit Freitag ausgebucht.
Manchmal – wenn ich ehrlich bin – bin ich nicht nur "stolz" auf Euch wie auf den Medienrummel: wenn ich höre und lese, wie viele in Berlin warten, wenn täglich auf meiner Website viele Hunderte von Besuchern sind, wird’s schon schwer auf meinen Schultern. Es war vor fünf Wochen so einfach, mal loszulaufen. Doch es ist nach all den Wochen quer durch Deutschland mehr daraus geworden, als ich jemals eingeschätzt hatte. Die vielen Augen im Rücken, die beiden Nominierungen – ich werde zum "öffentlichen Menschen", wie mal ein Schauspieler sagte.
Dads Erfahrungen, als er noch mit den Großen spielte, bevor er mit mir "Kleinem" auf die Bühne ging, sind da gute Medizin. Aber von anderen höre ich weniger, und wieder andere schicken verächtliche Mails. Bis dahin, dass eine Country-Website meinte, dass "fanatische Fans nerven" und das Thema deswegen "erst mal vom Tisch ist". (Ich habe keine "fanatischen" Fans! Und ich weiß, dass sie nur ins Gästebuch schrieben, wie klasse es ist, dass ich nach Berlin laufe. Aber alle ihre Einträge wurden gelöscht. Kommentarlos.)
Auch egal, meine ersten Erfahrungen mit Missgunst durfte ich schon mit elf Jahren machen, als Mum einen Bus nach Füssen organisierte, wo ich auf dem König Ludwig Musical den Prinz Otto spielte. Freunde hatten gefragt – aber plötzlich hielt uns das halbe Dorf für "überkandidelt", "oberwichtig" und "abgehoben". Wegen einem Bus für ein paar 30 Kilometer?
Aber deswegen berührt mich heute so etwas nicht mehr. Denn was sollte es mir ausmachen, bei all den wahren Freunden, die sich fast täglich melden, und bei all dem, was ich diese Wochen erleben darf: Ich sehe dieses Land durch meinen Lauf in anderen, in bunten Farben – statt in jenem Schwarzweiß aus den Medien über das "Jammertal Deutschland". Wer kann schon erzählen von 700 Kilometern Schritt für Schritt quer durch Deutschland? Und das in meinem Alter? Und mit diesen Freunden und dieser Familie? Das sind die Gründe, die Gitarre niemals in die Ecke zu schmeißen.
Seit knapp drei Wochen bin ich 18 und habe meinen Führerschein (und laufe zu Fuß..., ich glaubs nicht...), aber derzeit überlege ich nicht, z.B. nach Italien oder Spanien zu fahren. Ich denke, ich fahre nächstes Jahr im Sommer die Strecke mit Freunden noch mal ab, werde Hände schütteln mit all den Menschen, die ich getroffen habe, und um hier und dort mit weniger Zeitdruck noch mal genauer hinschauen (z.b. die Nikolaikirche in Leipzig).
Wie sagte Mum neulich in einem TV-Interview? "Früher war es immer die Gastfreundschaft im Süden, die wir so lobten. Aber genau die erfahre ich plötzlich im eigenen Land." Tja, vielleicht sind wir alle lieber, fröhlicher und offener, als wir uns selbst zutrauen.
So, das bin ich nun losgeworden – und kann ich später erleichtert ab ins Bettchen. Ich hoffe, Ihr versteht das und schickt mir nicht einen Psychologen nach Berlin...

bis bald!

"Der Glaube versetzt Berge, der Zweifel erklettert sie." - Karl Heinrich Waggerl

 


 



Mo., 24. Oktober '05 - Wittenberg: If I had a hammer...

Auf zu Kilometer Nr. 600

Wieder mal Montag, aber dieses Mal ein letzter zu Fuß. Das Wetter hält, es ist trocken, aber der Himmel wird zusehends dunkler. Ich beschwere mich nun wirklich nicht nach diesen fünf schönen Wochen, aber Euch, die Ihr nach Berlin kommt, wünsche ich zum Abschluss noch einmal einen herrlich goldenen Herbsttag im "Indian Summer". Das Wochenende von Scharfenberg noch tief in den Knochen, aber mit den besten Eindrücken vom Gig im "Western Inn" – es war ein kleines Stück Amerika – machten wir uns auf den Weg über Wittenberg nach Kropstädt. Durch die Lutherstadt Wittenberg! Aber nicht ohne die Schlosskirche mit der Kirchentür anzusehen, an die Martin Luther seine berühmten 95 Thesen angeschlagen hatte (siehe Bild).
Gestern schrieb mir ein Freund sieben Thesen, die ich hätte anschlagen sollen und ich Euch nicht vorenthalten will:


   1. Klingt nach Country, is' aber nicht so.
   2. Klingt nicht nach Country, is' aber so.
   3. Klingt nach guter amerikanischer Musik. Und is' so.
   4. Klingt nicht wie "so" oder "so" - auch wenn Dir das andere so eintüten
      und predigen wollen.
   5. Klingt nach Fernweh und Nähe, nach Land und Leuten, nach Liebe
       und Trauer, nach Beeindruckendem, nach Authentischem. Klingt wie
       Leben.
   6. Entdecke selbst. Nimm Dir eine Gitarre, ein Herz. Häng die Nase in
       den Wind, und...
   7. Klingt nach Liebe zur Musik. Ohne Schubladen und Scheren im Kopf.
       Und ist. Und bleibt.
  
   Danke - ...aber wir haben Nägel und Hammer zu Hause vergessen. Die
   Architektur der Kirche, der geschnitzte Altar und die bemalten Fenster,
   einfach grandios, aber die Straße rief wieder, und wie schon oft muss
   ich vieles im Web nachlesen. Wirklich schade, dass man speziell an solchen 
   Orten so wenig Zeit hat.
   Unser Ziel Kropstädt erreichten wir Nachmittag, und Ihr wisst jetzt
   bestimmt alle was kommt?  Yeah! Mum hat mal wieder was aus
   dem Kochtopf gezaubert, das uns alle Strapazen vergessen ließ.
  

Der Besuch von sehr guten Freunden, Angela und Guido Mende, rundete unseren Tag wunderbar ab, und so saßen wir bei Grog und Gebäck bis spät am Abend vor unserem WoMo. Leider fing es zu regnen an und wurde auch recht kalt, also schnell das Hymer geheizt und ab ins urgemütliche Innere, um noch ein paar Einzelheiten für den kommenden Tag besprochen.
Unserer Agentur bescherte uns wieder jede Menge Pressetermine, darunter ein richtig großer Sender, die auch am Freitag vor Universal drehen wollen, und ich habe trotz sieben Jahren Bühnenerfahrung etwas kalte Füße. Aber wir freuen uns auf die, die unsere Geschichte in die Öffentlichkeit bringen.
Diese Tage erreichen uns viele Emails, in denen man unser "Experiment Familie" bestaunt – und viele davon nehmen unseren Zusammenhalt, unser Teilen sogar zum Vorbild. Am Anfang sind wir "einfach so" losgelaufen - doch inzwischen weiß ich schon gar nicht mehr, was wir alles damit angerichtet haben - und vielleicht noch werden...
Ansonsten war es für uns ein "ganz normaler Montag", und wieder muss ich den Vergleich mit Weihnachten als Kind bringen: "Wann ist es endlich Freitag?" Dadurch, dass ich jetzt weiß, dass nicht nur viele von Euch, sondern auch all meine Freunde aus der Band uns in Berlin erwarten, lässt dies das Ganze erst recht unerträglich werden. Ich freu mich riesig, aber jetzt ist es genug mit Überraschungen, sonst halt ich das nicht länger aus, denn mein Herz zerspringt so langsam (hört Ihr wie es schon knistert?).

Hoffentlich kann ich gut schlafen, denn ich denke an Euch alle und an das, was vielleicht noch alles kommen wird. – Euer TJ

Der Glückliche ist der Liebende: Lieben ist mehr als Besitzen. – Gertrud Höhler


Di. , 25. Oktober '05 - Großer Fernsehtermin...

Auf der Zielgeraden - und im Rücken die Zeit

Die letzten Tage – und mein Puls ist nahe 200. Die Strecke heute war wie eine Zielgerade auf einer Rennstrecke, spulte so vor mich hin, doch mein ärgster Verfolger war die Zeit. Wir mussten dringend noch ein paar Kilometer gut machen, denn die letzte Etappe bis in den Osten von Berlin wird doch länger als wir gedacht haben.
Ein Kamerateam der ARD verabredete sich mit uns um 15.00 Uhr in Treuenbrietzen, und die konnten wir nun wirklich nicht warten lassen. Also, Tempo machen – und der Schweiß lief bis dahin, wo die Sonne nie scheint. Mit allen Euren Mails wie Wind im Rücken, auch gerade von denen, die schreiben, "wir sind endlos traurig, in Berlin nicht dabei sein zu können." Ich werde spielen und singen, als ob Ihr alle da seid! Hab' jetzt schon Tränen in den Augen. Au, scheiße... Ich würde' Euch allen in Berlin gern in die Augen sehen. Bis zum letzten Schritt, bis zum letzen Akkord!

Aber weiter: Mum fragte uns, ob wir ins Wasser gefallen wären, so verschwitzt, wie wir ankamen. Doch irgendwie ist alles zu schaffen, besonders wenn man, wie wir, ein Ziel hat. So waren wir gegen 15.40 Uhr in unserem "Basis - Camp" in Treuenbrietzen. Unsere Freunde Angela und Guido Mende (mit denen wir gestern schon zusammen waren) organisierten einen super Stellplatz für die Nacht und eine Grillfete mit weiteren Freunden.
Doch zunächst die Arbeit. Das TV-Team war nicht nur "nett", ich fühlte mich sofort wohl in ihrer Mitte. Der Dreh war überhaupt nicht stressig, denn "die Drei" strahlten soviel Ruhe und Professionalität aus, dass die Zeit im Nu verflog. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Dreh mit ihnen am Freitag an unserem Ziel, der Universal.
Zurück im Camp brannte - hey sooo geil - schon ein Lagerfeuer. Steaks, Bratwürste und Hähnchenschenkel brutzelten. Es war fast wie im Sommer (ich meine den Allgäuer Sommer: 15 Grad bei leichtem Nieselregen), aber die Stimmung war "ehne Wolke, echt dufte, wa?" Wieder ein wunderschöner Abend, den uns Freunde einfach so gaben - einfach so, ohne Grund ohne Erwartung. Und diese "kleinen" Dinge sind's, die das große Leben ausmachen. - Es ist nicht der Lauf, den ich niemals vergessen werde, sondern die Menschen, die ich traf. Jeden Tag wieder.

Nebenbei suchten wir im Stadtplan den besten Weg von Kleinmachnow zur Universal in der Stralauer Allee. Wir werden unsere Laufstrecke für Freitag online einstellen, damit der Eine oder Andere aus Berlin und Umgebung zu uns stoßen kann, wenn er will.
So Freunde, ich bin heute echt im Eimer und hau mich jetzt sofort in die Falle. Seid mir bitte nicht böse, wenn ich nicht soviel berichte, aber manchmal muss ich selber erst einmal verdauen, was ich alles erleben darf.

Bis morgen, seid alle umarmt - Euer "ichkriegsbaldnichtmehraufdiereihe" TJ

Für mich ist das vollkommene irdische Glück, hungrig und durstig, von der Arbeit erschöpft, unter einem schattigen Apfelbaum einen voll gedeckten Tisch zu finden. – Christoph Douglas

 




Mi. , 26. Oktober '05 - noch zwei Tage

Mensch kieke, nur noch 29 Km, dann jibbet Molle mit Schuss...


Damit ihr nicht meint, wir sind nur noch einen Tag entfernt - gemeint ist auf dem Schild die Stadtgrenze. Kurz vor Michendorf ein zweites Schild, Berlin 49 Km, und wir hatten schon Angst, wir wären mal wieder im Kreis gelaufen... Berlin ist anscheinend größer als Überbach und die Stadtgrenzen eben verschieden weit entfernt.
Egal, aber weit ist es nicht mehr, denn die Autokennzeichen mit dem "B" (B wie Bald) werden immer mehr.



   Meine persönliche "Skyline" sehe ich morgen, 
   meine großartigen Freunde, auf die ich sechs
   Wochen verzichten musste. Ich werde morgen
   bestimmt Rekordtempo laufen, denn Ihr alle seid 
   mein erstes Highlight, eh’ es nach Berlin zu  
   Universal geht. Der Weg heute wie gestern immer
   schnurstracks geradeaus. Bei Kaiserwetter durch
   diese fantastischen Alleen mit herbstbunten 
   Bäumen zu gehen, ist Balsam für die Seele. 
   Die Gedanken wechseln sich ab, Ängste, wenn
   es nun doch nichts wird mit Universal, 
   Glücksgefühle, wenn Mum und Kevin wild 
   hupend mit dem WoMo an uns vorbeifahren, 
   auf dem mein Name steht, und dann die schönsten
   Farben, die Herbst mir noch nie vorher so vor
   Augen malte. 
   Es wird nun wirklich endlich Zeit anzukommen, damit
   wieder alles seinen geregelten Weg geht –
   falls man davon in einem Musikerleben sprechen kann.



Ganz lieb finde ich, dass Angela und Guido (kennt ihr ja jetzt bestimmt schon alle) uns auch heute begleiten und wieder versorgen mit Grillfleisch und super Berliner Kartoffelsalat (das Rezept hat Mum schon – für die nächste Party vom Harley Stammtisch).
Die letzte Woche geht nun langsam zu Ende, und ich kann noch gar nicht richtig zurückblicken, denn ich meine immer, es müsste so weitergehen (nicht unbedingt mit Laufen). Wahrscheinlich kommt es erst, wenn ich wieder zu Hause bin mit Dad die mittlerweile über 2000 (zweitausend!!!) Fotos auswerten werde und die Erinnerungen zusammen mit meinem Tagebuch so langsam wieder kommen.

I love you the world (Zitat: Shania, meine Freundin aus Liechtenstein und gleichzeitig mein wahrscheinlich jüngster Fan, 7 Jahre)


Do. , 27. Oktober '05 - die letzten Kilometer live im Radio

Ab morgen ist hier erst mal Funkstille...

Sechs Wochen lang waren auf meiner Website täglich viele Hundert Besucher, manche haben geschrieben, mein Tagebuch hätte Ihre Zeitungslektüre ersetzt, doch ab morgen ist hier leider erst mal Funkstille, denn die Jungs von der Agentur kommen allesamt nach Berlin, um mitzulaufen und vor Ort einiges zu checken.
Dafür - wer's reinbekommt - kann man bei Radio Fritz die letzten Kilometer miterleben. Und Antenne Rockland wird auch immer wieder berichten.
Und wie versprochen für die, die sich angekündigt haben, hier noch der Streckenverlauf unserer letzten Kilometer durch Berlin:
Kleinmachnow > Nikolassee, Potsdamer Chaussee > Berliner Straße unter den Eichen > Schlossstraße > Steglitz
Rheinstrasse Hauptstraße > Rechts ab in die Kolonnenstrasse > Duddenstrasse > dann links Richtung
Mehringdam (B 96) > Gitschimer > Skarlitzerstrasse --> dann über die Spree über Oberbaumbrücke --> und dann
scharf rechts in die Stralauer Allee.
 
So, das war’s für heute (sonst verbrennt das Steak), einen Teil von euch sehe ich ja endlich morgen und am Samstag. Und den anderen wünsche ich weiter solch herrliche Herbsttage wie ich sie habe.



Fr., 29. Oktober '05 - Es ist so weit - erste Bilder und Infos vorab:

An der Klingel der Plattenbosse

 
 

  An einem goldenen Herbstnachmittag ging's bei über 20 Grad über die
  Oberbaumbrücke, eine der schönsten Brücken Berlins. Im Corso, per Pedes, 
  röhrendem Bike oder hupendem Auto begleiteten Freunde Tommy auf
  seinen letzten Metern zu Universal Music, Fans ließen rote, weiße und
  blaue Luftballons in die Herbstsonne steigen.
  Vor den Toren musste er erst einmal den wartenden Reportern Interviews geben, 
  bevor TJ in die Security- geschützte Empfangshalle von Universal vorgelassen wurde.
 
 
 


 
 
Dort kam er nach einer kleinen Führung ("da drüben ist gerade ein Meeting mit Nickelback",
...im Foyer saß der Gitarrist von 3 Doors Down...) bis in die Chefetage. Nach einem einstündigen
Gespräch gab's noch ein paar Songs live und unplugged auf der Spree-Terrasse des großen
Universal-Komplexes.
"Doch was ist mit dem Plattenvertrag?", fragen inzwischen viele per Mail.
Dazu nur eine kleine Antwort zwischendurch:
Auch ein Mietvertrag ist nicht spontan an einem Nachmittag unterschrieben.
 


 
  
  


   
  
  
   Und nicht nur ob, sondern mit welchen Bedingungen, das wäre die
   zweite Frage. Doch was man TJ schon jetzt nicht nehmen kann:
   700 Kilometer durch Deutschland, wie es wohl kaum ein anderer
   in seinem Alter gesehen haben dürfte, und treue, echte Freunde,
   eine Familie - all das, von dem hier in den letzten Monaten viel 
   zu lesen war.


 
 
 
 
 
 
Di. , 01. November '05

Zurück nach 700 Kilometern Straßenleben

Sechs Wochen waren wir jeden Tag auf der Straße, jeden Abend zu viert im Wohnmobil - und jetzt, wo wir vor unserer Haustür stehen, kommt's mir vor, als wäre es eine Ewigkeit her. Nicht diese Wochen als solche, sondern die vielen Begegnungen und Erlebnisse auf 700 Kilometern, die Menschen, das erwanderte Deutschland und viel mehr - lassen dies so ewig erscheinen. Wir stecken voller Gedanken und Erinnerungen - und gerade die vielen treuen Freunde - unsere Großfamilie - auf dem Campingplatz, sowie der super Gig am Samstag, ließen uns gar nicht erst in ein Loch fallen, als ob es plötzlich hieß: The Show is over. Denn das ist sie nicht. Gestern waren wir nach langer Fahrt noch bei guten Freunden zu "Kässpatzen endlos" eingeladen, so dass wir heute erst nach Hause kamen. Aber wir fallen jetzt erst mal ins fast schon nicht mehr gekannte Bett und melden uns später.

Stay tuned!
 



Es ist nicht mehr so wie früher

Sorry, dass ich mich erst jetzt melde, aber ein paar Tage Auszeit waren dringend nötig. Einerseits: Irgendwie trifft Dich das alte Leben wie die Schnauze eines LKW, wenn Du nach sechs Wochen die Türe zu Hause aufsperrst. 700 Kilometer auf den Sohlen, der Briefkasten randvoll, plus das e-mail-Postfach, das Abend für Abend nicht einfach irgendwie und erschöpft per Funk aus dem Wohncontainer beantwortet werden sollte. Und die Presse am Telefon (was wir ja auch wollten.) Also schlafen, telefonieren, tippen, verarbeiten. Zudem Daheimgebliebene endlich wieder besuchen und Liegengebliebenes (auch in unserer Agentur) abarbeiten.
Aber das Haus, das Zuhause ist nicht wie früher. Auch nicht für Mum, Dad oder Kevin. Für keinen von uns. Einen goldenen Herbst im Osten gesehen, erlaufen - hab nach der Rückkehr versucht, es Bekannten zu erzählen: Erfurt, Leipzig (wovon Dad so schwärmt), Wittenberg, Potsdam, Greiz, Plauen... Ein Wohnmobil für die Family. Und irgendwann zehn und mehr Freunde um uns herum. Irgendeiner hatte immer Holz fürs Feuer. Oder Grillfleisch. Oder Zuckerkuchen... (hey!). Ich wollte eigentlich für einen Plattenvertrag laufen, aber was ich erfahren habe und begreifen muss, ist nicht ein üblicher Musikerjob, ein Job wie jeder andere, sondern der ganze wundersame Wanderzirkus, eine andere, größere Familie. Von solchem Zusammenhalt und Zueinanderstehen ist in keiner Zeitung und in keiner TV-Show mehr zu hören, sondern vielleicht noch in verklärten Romanen über das "fremde" Zigeunerleben.
Nachts wache ich auf, weiß nicht, wo ich liege, und es wird mir nur langsam klar, dass ich wieder zu Hause bin. Ich habe das Leben auf der Straße und im WoMo zusammen mit meiner Familie selbst auf engstem Raum so genossen. Ok, manchmal war’s wirklich eng Kevin, ("mach endlich das Handy aus!"), Aber jetzt fehlt etwas (...nicht unbedingt das Laufen, grins). Die abendlichen Lagerfeuer der letzten Wochen, die vielen Freunde (ganz besonders die aus Eddis Camp, die Country Freunde aus Spandau, Teltow, Geltow und Berlin) Thomas und Kerstin aus Leipzig, Jürgen Stiller aus Vechta, Piet aus Holland, Gaby, Peter, und Martin aus Brandenburg, Biene, Rene und Mandy aus dem Harz und aus Dresden Mike und Brigitte, Matse, Bernd & Beate und der Rest von Eddy`s Camp und und und... Jeden Tag woanders und "Unter Euch" doch immer daheim.
Und jetzt soll das alles vorbei sein? Jemand sagte zu mir: "Koste nicht zuviel von Freunden, sonst wirkt es wie eine Droge". Ja, und ich habe zuviel gekostet. Es war einfach mehr als nur ein freundschaftliches Treffen, es ist wahre Freundschaft. Über Tage, Monate. Und lass uns Jahre daraus machen!
Ihr, die nicht abends am Lagerfeuer dabei waren, die arbeiten mussten oder für die es etliche Kilometer zuviel waren, aber mir täglich Mails schrieben, aus der ganzen Republik, Österreich, Schweiz, Liechtenstein und mein Fan Club in North Carolina/USA - es war immer ein Stuhl leer für euch.


In vielen Eurer Mails wurde ich gefragt, wie es bei Universal lief. Das möchte ich euch selbstverständlich nicht vorenthalten, hier
"Meine Stunde" bei Universal:
Ich wurde schon etwas ehrfürchtig, als ich die riesen Empfangshalle betrat.
Bei der Rezeption gemeldet, führte Mum, Dad, Kevin und mich sofort eine nette Empfangsdame in ein Konferenzzimmer, wo das Kamerateam von Polylux schon wartete. Kurz darauf kam der Managing Direktor von Universal, und begrüßte uns sehr freundlich. Ich fühlte mich sofort wohl bei ihm. Zunächst ging’s ohne Kamerateam in sein Büro, und wir unterhielten uns über den Lauf, das "warum und wieso" und unsere Bitte, über einen Plattenvertrag sprechen zu dürfen.
Nicht zuletzt von meinem Dad kenne ich das Geschäft. Mir war klar, dass ich nicht am gleichen Tag einen bekomme und es sich um Vorgespräche darüber dreht, wie und wo ich bei Universal "reinpasse". Von der respektvollen Art, wie er mit uns redete, war ich sehr überrascht, denn schließlich bin ich ja kein Star (im Sinne des Geschäfts), sondern "nur" ein Sänger und Musiker, der um einen Job fragt.
Dann ging’s durch den Universal-Bau zu einem ersten Gespräch mit einem A&R (Artist und Repertoire) von Universal, dem ich eine Demo-CD vorlegte, in die er auch gleich reinhörte. Und: in den nächsten Wochen findet ein größeres Meeting statt, in dem neue Projekte besprochen werden; meines sei dann ebenfalls dabei. Man würde sich dann telefonisch bei mir melden und gegebenenfalls einen neuen Gesprächstermin vereinbaren.
Tja, das ist der "sachliche" Zwischenstand, aber während der Gespräche dachte immer wieder an unseren Event: Ich hab meinen Lauf, die 700 Kilometer wirklich geschafft, schon jetzt mehr gewonnen, als ich überhaupt dachte. Und alles, was jetzt kommt, ist eine Überraschung.
So, jetzt stehe ich nun vor einem ganz persönlichen Problem, meiner Ungeduld. Ich hasse die Scheiß - Warterei, aber es muss so sein. Eines weiß ich aber jetzt schon sicher, ich gebe nicht auf, und es geht immer weiter, ganz egal wie die Sache ausgeht. Mein Fußmarsch nach Berlin hat mich stärker gemacht, und nichts bringt mich so schnell aus der Ruhe, denn ich werde es schaffen! "Little By Little, Step By Step".
Und das Leben will eh weitergehen. Freitag waren wir bei unserer "Zweitfamilie" Dem Harley-Stammtisch Bad Oberdorf und verlebten dort einen wunderbaren Abend bei Allgäuer Leberkäs und Kellerbier (... ich nur Cola, denn ich bin ja jetzt Autofahrer, oder besser gesagt der selbsternannte persönliche Fahrer meiner Eltern).
Montag begann dann wieder unsere Arbeit. E-Mails Schreiben, Telefon-Interviews und die Vorbereitungen auf den Rock & Pop Preis am 21. November in Hamburg.
Und ich wäre nicht meines Vaters Sohn, wenn ich nicht schon vorher "Plan B" vorbereitet hätte, und ihr alle könnt gespannt sein, was da noch alles kommt. In diesem Sinne, bleibt dran, denn die Geschichte ist noch lange nicht aus!

Euer TJ

Der traurigste Tag ist der, an dem man nicht gelacht hat... Heinz Erhardt


 

 

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